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Atlantis (Hilfskreuzer)

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Die ATLANTIS ein Hilfskreuzer der deutschen Kriegsmarine. Ursprünglich als Frachtschiff Goldenfels für die Reederei Deutsche Dampfschifffahrts-Gesellschaft >>Hansa<< gebaut.
Der Kiel des Frachters wurde 1937 bei der Bremer Vulkan Werft in Bremen gelegt. Der Stapellauf erfolgte am 16.12.1937 und die Indienststellung am 27.01.1938.
Das Schiff hatte eine Verdrängung von 7.862 BRT. Es war 155,00 m lang, 18,700 m breit und hatte einen Tiefgang von 8,70 m. 2 × 6-Zylinder-Dieselmotoren erzeugten eine Leistung von 7.600 PS (5.590 kW). Konnten das Schiff auf bis zu 16 kn (30 km/h) beschleunigen. Die Besatzungsstärke (als Hilfskreuzer) betrug 351 Mann.
Bewaffnet war die Atlantis mit: 6 × 15,0 cm L/45 Kanonen (1.800 Schuss), 1 × 7,5 cm L/35 Kanone, 2 × 37 mm Flak (4.000 Schuss), 4 × 20 mm L/65 Flak (8.000 Schuss), 4 × 533 mm Torpedorohre (über Wasser), 92 Seeminen.
Einsatzgeschichte
Das 7.862 BRT große Frachtschiff war 1937 unter dem Namen Goldenfels für die Reederei DDG Hansa beim Bremer Vulkan in Vegesack unter der Baunummer 736 gebaut worden. Sie war das fünfte Schiff der Ehrenfels-Klasse, von der die Reederei bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges acht Schiffe erhielt und von der noch ein weiteres im ersten Kriegsjahr fertiggestellt wurde. Die Schiffe transportierten Stückgut zwischen Europa und Indien, Persien, Ceylon sowie Burma.
Nach Kriegsbeginn wurde die in der Heimat befindliche Goldenfels von der Kriegsmarine beschlagnahmt. Die Umrüstung zu einem bewaffneten Hilfskreuzer erfolgte bei der Deschimag-Werft in Bremen. Nach nur 99 Tagen war das Schiff einsatzbereit. Kommandant wurde Kapitän zur See Bernhard Rogge.
Am 11.03.1940 lief der Hilfskreuzer Atlantis von Kiel durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Wilhelmshaven aus. Dort wartete man den endgültigen Befehl zum Auslaufen ab und begann das Schiff zu tarnen. Am 31.03.1940 lief die Atlantis, als erster deutscher Hilfskreuzer des Zweiten Weltkriegs und als norwegisches Motorschiff Knut Nelson getarnt, zu ihrer Kaperfahrt aus. Sie wurde zunächst von den Torpedobooten Leopard und Wolf gesichert. In der Dänemarkstraße übernahm U 37 das Geleit, während die Torpedoboote in ihre Häfen zurückkehrten. Entlang der Ausbruchsroute waren die Wetterbeobachtungsschiffe Fritz Homann (WBS-3), Hinrich Frese (WBS-4) und Adolf Vinnen (WBS-5) postiert, um die Atlantis mit Wetterinformationen zu unterstützen.
Nach dem geglückten Durchbruch in den Atlantik als angeblich sowjetische Kim konnte der Hilfskreuzer am 03.05.1940 mit der Versenkung des britischen Frachters Scientist vor Südwestafrika den ersten Erfolg seiner Kaperfahrt erzielen. Die 92 mitgeführten Minen wurden bereits im Mai 1940 vor dem südafrikanischen Kap Agulhas ausgelegt. Die Minensperre wurde allerdings frühzeitig erkannt und führte zu keinen Schiffsverlusten.
Aufgrund der Besetzung Norwegens und Dänemarks durch das Deutsche Reich wurden die Pläne aber dahingehend geändert, dass Schiff 16 britische Kräfte im Indischen Ozean binden sollte. In der Zeit von Juni bis November 1940 wurden dort neun weitere Schiffe versenkt. Größtes versenktes Schiff war am 17.09.1940 der französische Passagierdampfer Commissaire Ramel in britischen Diensten mit 10.061 BRT. Außerdem wurden drei Schiffe durch Prisenkommandos besetzt und nach Frankreich, Japan sowie nach Italienisch-Somaliland entlassen.
Unter den versenkten Schiffen war der Frachter Automdon, zu dessen Ladung wichtige britische Dokumente gehörten. Diese Beute war der größte Erfolg der Atlantis. Dem Kommandanten Rogge wurde dafür vom japanischen Kaiser Hirohito als Auszeichnung ein Samuraischwert geschenkt. Zwischenzeitlich erfolgte die erste komplette Überholung der Maschinen mit Bordmitteln. Allerdings fehlte es der Atlantis an Treibstoff, da die aufgebrachten Tanker nur bedingt geeigneten Treibstoff an Bord hatten und die Ausrüstung der Prisen ebenfalls den Bestand verringert hatte. Als das Schwesterschiff Pinguin die Kaperung des Tankers Storstad mit einer erheblichen Dieselladung meldete, entschloss sich Kapitän Rogge zu einem Treffen mit der Pinguin am 08.12.1940. Die Atlantis füllte ihre Tanks aus der Prise und gab an sie ihre Gefangenen ab, da die Storstad nach Frankreich durchbrechen sollte. Danach lief sie zu den Kerguelen, wo sie vom 14.12.1940 bis zum 11.01.1941 verblieb. Der Hilfskreuzer beseitigte einen Rumpfschaden, den er beim Anlaufen der Inseln erlitten hatte, füllte seine Frischwasservorräte und vervollständigte seine Tarnung als norwegisches Motorschiff Tamsis, einem Schwesterschiff der Prise Tirranna. Nach der Tarnung als Knute Nelson und Kim, hatte sich die Atlantis im Atlantik als japanische Kasii Maru ausgegeben und hatte die Tirranna anfangs als niederländische Abbkerk getäuscht und sich dann als norwegische Tarifa ausgeben. Den bei Dämmerung aufgebrachten norwegischen Tankern Teddy und Ole Jacob hatte sie sich sogar als angeblicher britischer Hilfskreuzer genähert.
Wieder im Einsatz gelang der Atlantis die Versenkung eines Frachters und die Kaperung des Motorschiffes Speybank und des norwegischen Tankers Ketty Brövig mit einer großen Dieselladung. Am 10.02.1941 traf sie dann noch mit dem Schwesterschiff Tannenfels zusammen. Dieses hatte bei Kriegsausbruch in der damals noch neutralen italienischen Kolonie Somaliland Zuflucht gesucht. Vor der drohenden britischen Besetzung sollte sie in die Heimat zurückkehren, sie brachte aber auch der ATLANTIS ihre Prisenbesatzung der Durmitor zurück, die zum Teil auf der Speybank gleich wieder eingesetzt wurde. Am Treibstoffüberfluss der Gruppe sollte auch der in dem Seegebiet um Südafrika operierende Schwere Kreuzer Admiral Scheer teilhaben, mit dem sich die vier Schiffe am 14.02.1941 trafen. Die Admiral Scheer übernahm 1.200 t Diesel aus der Ketty Brövig und alle tauschten Versorgungsgüter. So gab die Admiral Scheer von ihrem Überfluss an frischen Eiern durch die Kaperung eines Kühlschiffes ab. Die Speybank blieb als Aufklärer bei der Atlantis, während die Ketty Brövig Richtung Australien marschierte, wo sie den Versorger Coburg treffen und weitere Hilfskreuzer betanken sollte. Dieser Plan war aber den Briten durch Funkentschlüsselung bekannt und australische Kreuzer stellten den Tanker, der sich darauf selbst versenkte. Die Tannenfels war glücklicher. Nach Übernahme von Gefangenen der Admiral Scheer und anderen im Südatlantik operierenden Schiffen erreichte sie Bordeaux.
Ein weiteres Treffen mit der Admiral Scheer kam nicht zustande, da der Kreuzer sich den suchenden britischen Einheiten wieder in den Atlantik entzogen hatte. Am vereinbarten Treffpunkt hatte er seine Prise British Advocate zurückgelassen. Der Tanker erhielt von der Atlantis 500 t Öl, um das besetzte Frankreich erreichen zu können. Der Hilfskreuzer verlegte dann befehlsgemäß in den Norden des Indischen Ozeans. Dort versorgte sie am 29.03.1941 das aus Massaua ausgebrochene italienische U-Boot Perla mit Treibstoff und Lebensmitteln. Selten wurden einzeln fahrende Schiffe gesichtet, die oft neutralen Staaten angehörten und nicht gestoppt wurden. Darauf wurde die Speybank nach Europa entlassen und auch die Atlantis ging ohne weiteren Erfolg Anfang April 1941 wieder in den Südatlantik.
Am 17.04.1941 wurde der ägyptische Passagierdampfer Zam Zam versenkt, der sich auf dem Weg von New York nach Kapstadt befand und 317 Personen an Besatzung und Passagieren wurden aufgenommen. Unter ihnen befanden sich 138 US-Bürger, darunter der amerikanische Reporter David E. Scherman, der für die Zeitschriften Time und Life arbeitete. Während der kurzen Zeit, in der sich die Passagiere auf der Atlantis befanden, konnte er einige Fotos von dem Schiff machen. Nach der Übergabe der Gefangenen an das deutsche Versorgungsschiff Dresden ab 19.04.1941 im Planquadrat Andalusien gelang es ihm sogar, eine Seitenansicht der Atlantis zu fotografieren. Dieses Bild erschien Monate später in seinem Magazin und zeigte der Welt das Aussehen des deutschen Raiders.
An dem Treffpunkt trafen dann noch der Versorger Alsterufer und der Hilfskreuzer Kormoran ein. Die Alsterufer sollte die beiden Hilfskreuzer vor allem mit militärischen Versorgungsgütern versorgen. Die Atlantis füllte ihre Munitionsbestände auf und übernahm drei zerlegte und verpackte Schwimmerflugzeuge vom Typ Arado Ar 196, die die verbrauchten Heinkel He 114 ersetzen sollten. Die Kormoran sollte die Atlantis im Indischen Ozean ersetzen. Von der aus dem nahen Brasilien herangekommenen Dresden hatte die Atlantis vor allem die Auffüllung der Lebensmittelvorräte erwartet. Die hatte das Schiff nicht hinreichend und brauchte sie zudem für die neue Aufgabe als Gefangenenschiff selbst, da sie diese auf Weisung der Seekriegsleitung bis nach Frankreich bringen sollte.
Die Atlantis verblieb mit der Alsterufer am Versorgungspunkt, bis das Troßschiff Nordmark eintraf, aus dem sie ihre Treibstoffvorräte ergänzte. Mit der Nordmark kehrte auch der Navigationsoffizier des Hilfskreuzers, Kapitänleutnant Paul Kamenz, zurück an Bord. Er hatte als Prisenkommandant die Ole Jacob nach Japan gebracht und die Automedon-Papiere dort übergeben. Getarnt als deutscher Beamter war er mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Deutschland zurückgekehrt und hatte auf dem U-Boot U 106 die Nordmark erreicht. Weitere Verstärkung des Offizierkorps waren zwei Leutnants der Admiral Graf Spee, die als einfache Matrosen der Dresden das Schiff erreicht hatten.
Der Kommandant tarnte sein Schiff neu, da die freizulassenden amerikanischen Gefangenen seine bisherige Tarnung bekannt machen würden. Aus der Atlantis wurde jetzt die niederländische Brastagi. Auch wurde eines der neuen Flugzeuge gleich zusammengebaut; dieses entdeckte ein mögliches Opfer, das jedoch nicht eingeholt wurde. Vom Flugzeug wurde dann auch der zweite Versorger von der Etappe Brasilien entdeckt, das am 24.04.1941 aus Santos ausgelaufene Motorschiff Babitonga der Hamburg-Süd, das neben einem großen Dieselbestand auch Lebensmittel und Wasser an Bord hatte. Der Kommandant entschloss sich, diese häufiger zu treffen und im nahen Seeraum zu behalten. Nahe der afrikanischen Küste gelang am 14.05.1941 die Versenkung eines britischen Frachters, dem bis Ende Juni drei weitere Versenkungen im Südatlantik folgten. Aber auch im Südatlantik gab es kaum noch einzelnfahrende Schiffe. Einige einzelne Neutrale wurden angehalten und untersucht. Am 16.06.1941 wurde der bisherige Ausdauerrekord der Wolf für einen Hilfskreuzer in See mit 445 Tagen gebrochen. Am 21.06.1941 verlor die Atlantis ihr Hilfsschiff Babitonga, das vom Schweren Kreuzer London kurz vor einem Treffpunkt aufgespürt worden war. Sie traf am 01.07.1941 auf Weisung der Seekriegsleitung den Hilfskreuzer Orion, um ihn mit Treibstoff für den Durchbruch in die Heimat zu versorgen.
Anschließend unternahm die Atlantis noch einen relativ erfolglosen Abstecher in den Pazifik. Sie verlegte bei teilweise sehr schlechtem Wetter auf der Höhe der Roaring Forties durch den südlichen Indischen Ozean dorthin und konnte am 10.09.1941 ein letztes Schiff zwischen Neuseeland und den Gesellschaftsinseln aufbringen. Es handelte sich um den norwegischen Frachter Silvaplana mit einer wertvollen Ladung, der von einer deutschen Prisenbesatzung bis zum 17.11.1941 erfolgreich nach Frankreich gebracht werden konnte. Bevor die Prise in Marsch gesetzt wurde, traf die Atlantis noch wie geplant mit dem Versorger Münsterland zusammen. Am Treffpunkt waren auch der Hilfskreuzer Komet mit seiner Prise Kota Nopan eingetroffen, die beide in die Heimat laufen sollten. Die Atlantis versorgte anschließend noch ihre Prise Silvaplana, die am 27.11.1941 den Marsch nach Frankreich begann.
Am 10.10.1941 stoppte der Hilfskreuzer in der Lagune des Atolls Vanavana des Tuamotu-Archipels, wo die Besatzung nach zehn Monaten kurzzeitig an Land gehen konnte. Mehrere Flüge des Bordflugzeuges konnten keinen Schiffsverkehr feststellen. Die Atlantis setzte den Marsch durch die Südsee fort und stoppte nochmals bei der Insel Henderson der Pitcairn-Gruppe. Da keine Schiffe gefunden werden konnten, entschloss sich der Kommandant zum Abbruch des Unternehmens und zum Rückmarsch in die Heimat. Am 29.10.1941 passierte der Hilfskreuzer Kap Hoorn und kehrte zum dritten Mal in den Südatlantik zurück.
Das Ende ereilte die Atlantis, nachdem Kapitän Rogge im Oktober 1941 den Befehl erhielt, den Handelskrieg abzubrechen und als U-Boot-Versorger zu fungieren. Da die Briten beim Aufbringen von U 110 den Enigma-Schlüssel der U-Boote erbeutet hatten, konnten sie die Funksprüche an die U-Boote mitlesen und so den Treffpunkt in Erfahrung bringen. Die Funkschlüssel der Hilfskreuzer hatten sie nie dechiffrieren können, da diese zu selten funkten. Als erstes Boot wurde U 68 südwestlich St. Helena versorgt. Danach änderte die Atlantis zum letzten Mal ihre Tarnung und wollte sich künftig als niederländisches Motorschiff Polyphemus ausgeben.
Am 22.11.1941 wurde das Schiff bei der Versorgung von U 126, nordwestlich der Insel Ascension, vom britischen Schweren Kreuzer Devonshire gestellt und so schwer beschädigt, dass Rogge die Selbstversenkung auf der Position anordnete. Eine Gegenwehr war nicht möglich, da der britische Kreuzer außerhalb der eigenen Waffenwirkung (14–15 km) blieb. Acht Besatzungsmitglieder starben und 305 überlebten den Beschuss. Die Besatzung wurde von U 126 aufgenommen, teils an Bord selbst und teils in geschleppten Rettungsbooten. Die Männer wurden nach zwei Tagen an den Versorger Python abgegeben.
Dem Versorger widerfuhr bald darauf das gleiche Schicksal wie der Atlantis. Er wurde vom britischen Kreuzer Dorsetshire am 01.12.1941 entdeckt und wurde ebenfalls selbstversenkt, um der Aufbringung zu entgehen. Beide Besatzungen konnten in einer groß angelegten Rettungsaktion durch die gerade versorgten deutschen U-Boote U A und U 68, die später eintreffenden U 124 und U 129 und die zur Unterstützung entsandten italienischen U-Boote Ernrico Tazzoli, Giuseppe Finzi, Pietro Calvi und Luigi Torelli nach Frankreich gebracht werden. Bis auf 11 Mann erreichten alle die Heimat Ende Dezember des Jahres.
Die Kaperfahrt der Atlantis dauerte insgesamt 622 Tage. Dabei wurde eine Strecke von 102.000 Seemeilen zurückgelegt. Es war die längste ununterbrochene Fahrt eines Kreuzers in der Geschichte. 22 gegnerische Schiffe (16 versenkt, sechs als Prise eingebracht), mit insgesamt 145.698 BRT, fielen ihr letztlich zum Opfer.
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