KTB U 37 - 24.10.1939

Aus U-Boot-Archiv Wiki

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AUS DEM KRIEGSTAGEBUCH - 2. UNTERNEHMUNG VOM 05.10.1939 - 08.11.1939

DIENSTAG - 24.10.1939

Westausgang der Straße von Gibraltar

00.00 - Qu CG 9581 - SzW 2, 1, c 8

01.16 - Unterwasser-Fehlschuß wahrscheinlich unterschossen, damit gleichen Unterlagen wie 06.16.

04.00 - Qu CG 9467 - S 2, 1, c 5

06.16 - 2. Unterwasserschuß bei Eintreten der Dämmerung, nach 10 sec. bewegte sich als Rest des Dampfers eine Qualmwolke über das Wasser, er versank auseinanderbrechend wie ein Stein. Beim Umkreisen der Untergagsstelle wurden etwa 3 Mann an Wrackstücken treibend festgestellt. Einer machte ein anscheinend einigermaßen klargebliebenes Boot klar, dies Boot ist wahrscheinlich für solche Fälle vorgesehen gewesen, an ihm festgemacht hing eine Boje mit hellem Rettungsbojen Licht, das wohl über 1 Std. brannte. Der Name des Dampfers konnte zunächst nicht festgestellt werden. - Spätere Erkundigungen ergaben die Angabe "Mainedge" oder so ähnlich.

08.00 - Qu CG 9454 - n.b. (Tauchfahrt). Die unten beschriebenen Umstände ließen genaue Feststellung nicht zu. Beim Ablaufen von der Untergansstellekommt aus östl. Richtung ein neuer Dampfer in Sicht. Er wird festgestellt als "Ledbury", ist vollkommen schwarz gemalt. Da er in meiner Nähe plötzlich harte Kursänderungen auf mich los macht, und ich ein wildes Gerenne bei ihm feststelle, schieße ich zwei Torpedos, die infolge harter Drehungen des Dampfers fehlgehen, Boot geht auf größere Tiefe. Beim nächsten Rundblick wird Dampfer 2000 m ab gesehen, er hat ein Boot zu Wasser und scheint die Überlebenden des versenkten Dampfers zu retten, dabei fährt er dauernd Zickzack-Kurse. Da keine Armierung beobachtet wird, tauche ich auf und schieße ihm einen Schuß vor den Bug, die Folge ist, daß er sofort funkt und die Sichtmeldung weitergibt, sie wird von Gibraltar aufgenommen, außerden von einer Reihe weiterer Stationen. Daraufhin habe ich ihn sofort unter Wirkungsfeuer genommen, nach 34 Schuß sinkt der Dampfer.

09.18 - Dem Rettungsboot habe ich im Vorbeischeeren mitgeteilt, das ich "Ledbury" wegen Nachrichtengebung sofort hätte beschießen müssen, andernfalls hätte die Besatzung genügend Zeit erhalten, ihr Schiff mit den notwendigsten Dingen zu verlassen. In diesem Boot befanden sich auch 2-3 Überlebende des zuerst versenktem Dampfers, die den Namen wie oben erwähnt herüberriefen, er wurde nicht sicher verstanden. Nachdem mein Standort - etwa 60 sm ab Gibraltar - nunmeher bekannt war, hielt ich es für Richtig diesen Platz zu verlassen und ging mit hoher Fahrt nach SW. Es hatte sich inzwischen schönstes Sommerwetter mit hellsten Sonnenschein, Ölglatter See und geringer Dünung entwickelt. Auf dem neuen Kurse kamen zu meiner Freude die Masten und der Schornstein eines anscheinend beachtlichen Tankers in Sicht, er steuerte Ost, ich ging sofort auf Kollisionskurs (etwa 80). Der Tanker erhielt um diese Zeit wohl gerade die U-Bootwarnung auf die Brücke,er machte kehrt und lief wieder nach Westen ab, ich ging daraufhin mit Höchstfahrt auf ihn zu zur Verfolgung.

09.47 - Flugzeug zwingt zum tauchen, Verfolgung muß aufgegeben werden, da Flugzeug längere Zeit in der Nähe bleibt. Gegen 10.30 scheint die Luft rein zu sein. Rundblick ergibt, daß wieder ein Dampfer in meine Nähe kommt, er scheint etwas größer als Lendbury. Beim Näherkommen werden hinten 2 Geschütze offenstehend erkannt. Da außerdem ein Flugzeug in seiner Nähe ist, entschließe ich mich zum warnugslosen Torpedoeinsatz. Da ich nur ein Bugrohr klar habe muß ich auf sehr große Entfernung einen Einzelschuß schießen.

11.19 - Ich schätze die Schußentfernung auf 25 hm, die Fahrt auf 10 sm und die Lage auf 90°. Um 11.19 fiel der Schuß, als nach 3 Minuten noch keine Detonation erfolgt war, gab ich verägert duchs Boot "Fehlschuß", ich hielt den Dampfer weiter in Sicht, nach 58 sec. (= 35 hm Schußweite) beobachtete ich Treffer Mitte, der Dampfer knickte nach innen zusammen, so daß die Masten einander zugeneigt waren, schwamm aber noch un drehte auf mich zu.

11.35 - Ich sehe neben dem Dampfer ein Flugzeug und ein auffällig großes Boot, das ich als Rettungsboot anspreche. Wegen des Fliegers gehe ich auf 30 m, da meldet mir der Horcher, das Motorboote aus der Richtung des Dampfers auf uns zukommen, ich ging sofort auf 80 m und Schleichfahrt. Den Horchempfang schalte ich zuletzt aus, nachdem mir der Ob.Fk.Mt. gemeldet hatte, daß die Boote oben zeitweise auf Höchstfahrt gingen.

12.00 - Qu CG 9449 - n.b. (Tauchfahrt).

11.47 - 12.12 - In Abständen von 3-5 Minuten erhalten wir Wasserbomben in Serien bis zu 4, im ganzen 13, sie liegen zum Teil genau über dem Boot, anscheinend aber höchstens 60 m. Boot sinkt einmal bis auf 105 m. Das Lenzen mit Preßluft scheint aber nicht bemerkt zu werden. Im Boot herrscht Totenstille, ab 12.30 atmen wir langsam auf, nachdem wir etwa 20 Minuten keine Bomben bekommen haben. Ich entschließe mich, bis 17.30 auf Tiefe und Schleichfahrt zu bleiben, auch die Horchanlage bleibt ausgeschaltet, da doch immer noch verdächtige Geräusche auch ohne Apparat wahrnehmbar sind.

16.37 - 16.47 - Alles legt sich im Boot lang und schläft, nichts unterbricht die Stille bis wieder 5 Serien Wasserbomben in großer Nähe hochgingen, und dem Boot, das jetzt etwas höher steuerte, harte Schläge geben, ich ließ wieder auf 90-95 m gehen. Nach der Pause von 4 1/2 Stunden war dieser Bombenangriff besonders unangenehm.

18.22 - 18.29 - Noch einmal in kurzer Folge 2 Serien von Wasserbomben in der Nähe. Da oben jetzt etwa die volle Dunkelheit eintreten mußte und diese Bomben schon nicht mehr in unmittelbarer Nähe hochgingen, glaube ich annehmen zu können, daß wir weder gehorcht noch geortet würden, sondern daß wir eine Öl- oder Luftspur hätten.

19.00 - Ich ließ daher nunmehr einen besonders großen Haken nach Süden schlagen, nachdem ich bisher immer NO-NW gesteuert habe. Inzwischen war die Luft im Boot so schlecht geworden, daß zur Kalipatronenatmung übergegangen werden mußte.

20.00 - Qu CG 8972 - n.b. (Tauchfahrt)-

Folgende Überlegungen wurde angestellt:

1.) Schleichfahrt noch möglich bis zum morgigen frühen Vormittag.

2.) Das Gebiet ist aber nun so überwacht, daß das dann zunächst tauchunklare Boot einenschweren Stand gehabt hätte.

3.) Besatzung ist in ihrer Haltung vorbildlich, keiner macht in dieser wenig schönen Lage einen gedrückten Eindruck.

4.) Jede Möglichkeit hier rauszukommen muß ausgenutzt werden.

5.) Wenn das Schlagen des großen Hakens nach Süden zur Täuschung des Gegners gelingt, dann bin ich um 21.50 etwa 5 sm von der letzten Angriffstelle entfernt, daß erscheint auch in heller Mondnacht für ausreichend. um nicht gesehen zu werden.

6.) Die Möglichkeit, oben mit allen möglichen Waffen empfangen zu werden, muß in Rechnung gestellt werden.

Entschluß:

1. Um 21.30 Auftauchen unter Beibehaltung der Schleichfahrt, sowie der Turm durchbricht: "Preßluft überall"! Turmluk auf, Geschütz klar, Diesel sofort anlaufen.

2. Besatzung hat Tauchretter umgelegt.

3. Funkraum hat Abgabe folgenden F.T.`s vorbereitet: "Boot versenkt! Heil Hitler ! Hartmann". Dieser Funkspruch soll mit höchster Lautstärke abgegeben werden, wenn der Befehl kommen sollte: "Alle Mann aus dem Boot!" .

21.35 - Nachdem ich glaubte, alles wohl vorbereitet zu haben, gab ich den Befehl "Auftauchen".

21.45 - Turmluk auf. Ich stellte fest, daß heller Mondschein herrschte und die Luft etwas milchig war, vom Feinde war nichts zu sehen. Mit G.F. verließ das Boot in SW licher Richtung das Gebiet. Die Waffen blieben zunächst zum sofortigen Einsatz klar. Am Geschütz war eine Störung eingetreten: Der Ladungsraumverschußdeckel hatte sich unter dem Druck von 100 m Wasser mit seinem zylindrischen Teil in den Ladungsraum hinein gepreßt, das Geschütz wurde während der Nacht nicht mehr klar

Erfahrung:

Ich glaube das der letzte Dampfer eine U-Bootfalle war, die mit Motorbooten größerer Art - etwa wie unseren großen V-Boote - ausgerüstet ist, oder mit ihnen taktisch eng zusammenarbeitet in der Art, daß sofort nach dem Torpedoangriff die Motorboote einen Angriff mit Wasserbomben auf das getauchte Boot durchführen, ein Flugzeug unterstützt unter Umständen diesen Angriffsverband. Meine Annahme stützte sich auf folgende Beobachtungen: 1. Sehrauffällig gezeigte Geschütze auf dem Achterdeck des Dampfers. Sie sollen das U-Boot vom Artl-Einsatz abhalten. 2. Außerordentlich schnelles Auftreten der Motorboote in unmittelbarer Nähe des Dampfers gleich nach dem Treffer - sie waren vielleicht eingesetzt oder standen in Leeseite gedeckt durch den Dampfer. 3. Während alle anderen in Sicht befindlichen Dampfer - etwa 3 - auf das Signal der "Ledbury" aus meiner Sichtweise strebten, lief er mir augenscheinlich in den Weg, um angegriffen zu werden. 4. Schiff hatte Schwimmladung, es wäre sonst schneller gesunken. Der Treffer Mitte - etwa am Schornstein - wahr wahrscheinlich noch der unangenehmste und hat das Schiff - falls es wider Erwarten nicht gesunken ist - sicher für lange Zeit außer Verwendungsbereitschaft gesetzt. 5. Der Dampfer drehte nach dem Treffer sofort auf mich zu. 6. Alle Maßnahmen auf dem Dampfer ließen Planmäßigkeit erkennen. 7. Dampfer arbeitet mit Flugzeug zusammen.


ANMERKUNGEN

Kriegstagebuch von U 37, für diese Unternehmung, im Original vorhanden.

Die Einträge im KTB wurden so abgeschrieben wie sie dort verzeichnet sind. Die tabellarische Form habe ich leider nicht beibehalten können, da mir dazu die Vorlage nicht zur Verfügung steht.

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