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Schleswig-Holstein (Schulschiff)

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Das Linienschiff SMS SCHLESWIG-HOLSTEIN war das fünfte und letzte Schiff der Deutschland-Klasse der Kaiserlichen Marine. Es lief am 17.12. 1906 auf der Germaniawerft in Kiel vom Stapel. Es wurde am 06.07.1908 in Dienst gestellt und dem II. Geschwader zugeordnet, das auch an der Skagerrakschlacht teilnahm. Das veraltete Linienschiff wurde nach dem Ersten Weltkrieg dem Deutschen Reich belassen und diente in der Reichsmarine und später in der Kriegsmarine von 1926 bis 1936 als Flottenflaggschiff und danach als Kadettenschulschiff.
KADETTENSCHULSCHIFF
In zwei Etappen erfolgte der Umbau zum Kadetteschulschiff. Zuerst wurden die Schwalbennester entfernt und Wohn- und Unterrichtsräume für die neue Aufgabe geschaffen. Dazu wurden die Bewaffnung, die Feuerleitanlagen, die Funkanlagen und die Navigationsmittel modernisiert. Diese Maßnahmen wurden bis zum 07.03.1936, dem Tag der Rheinlandbesetzung, abgeschlossen. Der Umbau der Kesselanlage für überwiegende Ölfeuerung (acht der zwölf Kessel) und der Einbau von zusätzlichen Treibstoffbunkern erfolgte erst im Mai 1936 nach dem Umbau zum Kadettenschulschiff. Mit 1.130 m³ Öl und 436 t Kohlen konnte sie nun 5.500 sm bei 12 Knoten Marschfahrt zurücklegen. Die Besatzung bestand jetzt aus 31 Offizieren, 563 Unteroffizieren und Mannschaften. Dazu kamen dann 175 Kadetten. Am 21.09.1936 erhielt die SCHLESWIG-HOLSTEIN ihre ersten Kadetten.
1. Ausbildungsreise:
Am 12.10.1936 begann ihre erste Ausbildungsreise zu den Kanaren mit Besuchen in Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife, den Kap Verden mit Porto de Praia, Brasilien mit Besuchen in Pernambuco vom 25.11. bis 04.12. und Para, Bridgetown vom 22.12. bis zum 28.12., Puerto Cabello vom 31.12. bis zum 07.01.1937, Porto Columbia, weiteren Häfen in Mittelamerika und Westindien wie Puerto Limón, Cap-Haïtien und Havanna und dann über die Hamilton, Horta und Dún Laoghaire zurück, durchführen sollte. Am 22.04.1937 lag sie wieder an ihrem Liegeplatz in Wilhelmshaven und hatte eine Fahrstrecke von 14.712 Seemeilen zurückgelegt.
2. Ausbildungsreise:
Im Juli 1937 führte sie eine kurze Reise nach Norwegen durch und startete am 13.10.1937 zu ihrer zweiten großen Ausbildungsreise zusammen mit der SCHLESIEN und dem Schulkreuzer EMDEN. Die EMDEN ließ die Linienschiffe zurück und lief durch das Mittelmeer nach Niederländisch-Indien. Auch die Linienschiffe trennten sich. Schlesien umrundete den südamerikanischen Kontinent, und die SCHLESWIG-HOLSTEIN führte die Route diesmal rund um Afrika über Arrecife, Porto de Praia, Takoradi, Lagos, Luanda, Mossamedes (12. bis 18.12.) nach Kapstadt (04. bis 12.01.1938) und dann zurück über Port Elizabeth, Sansibar, Aden, Messina und Falmouth. Die Reise endete am 21.04.1938 nach einer Fahrstrecke von 17.200 Seemeilen.
3. Ausbildungsreise:
Die dritte Ausbildungsreise begann am 29.10.1938 in Kiel und führte zu den Kapverden, nach Westindien und über die Azoren zurück.
2. WELTKRIEG
Am 01.09.1939 um 04:47 Uhr eröffnete die SCHLESWIG-HOLSTEIN, die sich offiziell ab dem 25.08.1939 zu einem Freundschaftsbesuch in der Danziger Bucht aufhielt, vom Hafenkanal aus das Feuer auf die polnische Stellung auf der Westerplatte, die zur Freien Stadt Danzig gehörte. Mit diesen Schüssen und dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen begann der Zweite Weltkrieg in Europa. Außerdem wurde ein Marinestoßtrupp von 225 Mann durch die Schleswig-Holstein angelandet, um die Wachbesatzung des Munitionsdepots auf der Halbinsel niederzukämpfen, was aber nicht gelang. Erst am 07.09.1939 gelang es den Angreifern, die Stellungen zum Aufgeben zu zwingen, nachdem durch weiteren Beschuss und Stuka-Angriffe deren Wasserversorgung zerstört worden war.
Im Jahr 1940 nahm sie am Unternehmen Weserübung teil, bei dem sie mit anderen Marinestreitkräften die dänischen Hafenstädte Nyborg auf Fünen und Korsör auf Seeland besetzte, um dadurch die Verbindung zwischen den beiden dänischen Hauptinseln zu unterbrechen. Allerdings lief sie in der Nähe von Langeland auf Grund und kam erst nach über zehn Stunden frei, nachdem ihr Schwesterschiff Schlesien einen Teil ihrer Vorräte übernommen hatte.
Die SCHLESWIG-HOLSTEIN unternahm danach verschiedene kleinere Fahrten als Schulschiff und legte dabei zwischen 1941 und 1944 insgesamt zirka 6.000 Seemeilen zurück. In dieser Zeit wurde sie während der Wintermonate wegen ihres verstärkten Rammbugs als Hilfseisbrecher in der Ostsee eingesetzt. Vom 29.10.1944 bis zum 18.12.1944 wurden umfassende Umbaumaßnahmen im Zweigbetrieb Gotenhafen der Deutsche Werke Kiel AG vorgenommen, um das alte Linienschiff für künftige Dienste als Konvoi-Begleitschiff vorzubereiten.
Das Schiff wurde am 18.12.1944 vor Gotenhafen durch drei Fliegerbomben schwer beschädigt und sank auf ebenem Kiel in 12 m Wassertiefe. Durch die drei Bomben kamen 28 Mann um, und 53 wurden verwundet. Drei Pumpendampfer sollten anschließend das Schiff lenzen, was aber nicht gelang. Das Leck, verursacht durch eine Bombe, die das gesamte Schiff durchschlug und anschließend unter dem Kiel explodierte, war zu groß. Am 20.12.1944 brach ein Brand aus, der zwölf Stunden lang wütete und die Aufbauten nahezu vollständig zerstörte. Am 25.01.1945 wurden Flagge und Wimpel zum letzten Mal niedergeholt. Der Großteil der Besatzung wurde anschließend zur Verteidigung der Marienburg eingesetzt. Am 21.03.1945 wurde die SCHLESWIG-HOLSTEIN bei der endgültigen Aufgabe von Gotenhafen gesprengt.
Nach der Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 forderte die Sowjetunion das alte Schiff als Kriegsbeute. 1946 begannen die Abdichtungsarbeiten, und es gelang, das Schiff schwimmfähig zu machen. Es wurde nach Tallinn geschleppt, in BORODINO umbenannt und war kurzfristig bis 1948 als Schulschiff vorgesehen. Jedoch baute man es dort zum Zielschiff um und verankerte es vor der Insel Osmussaar (Odensholm) als Übungsobjekt. Bis 1966 wurde es als Ziel angelaufen und beschossen. Heute liegen die Überreste noch immer im ehemaligen Übungsgebiet der sowjetischen Marine bei der estnischen Insel auf Grund. Die Schiffsglocke der Schleswig-Holstein befindet sich heute im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden.