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Lehrgang für Verwaltungsoffiziere: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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! Datenblatt
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! '''Lehrgang für Verwaltungsoffiziere (Marine-Verwaltungs-Lehrgang)'''
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| colspan="3" | Der Lehrgang für Verwaltungsoffiziere (auch als Marine-Stabszahlmeister-Lehrgang oder Marine-Verwaltungs-Lehrgang bezeichnet) war die administrative Lebensader. Während Seeoffiziere für das Torpedoschiessen geschult wurden, sicherten diese Offiziere die materielle und personelle Basis der Flottillen.
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| colspan="3" | Der Lehrgang für Verwaltungsoffiziere (auch als Marine-Stabszahlmeister-Lehrgang bezeichnet) bildete die administrative Lebensader der Kriegsmarine. Während Seeoffiziere für den taktischen Waffeneinsatz geschult wurden, sicherten diese Offiziere die materielle und personelle Basis der Flottillen. Sie verantworteten die gesamte Logistik, das Haushaltsrecht sowie die Versorgung der Truppe an Land und auf See.
 
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! colspan="3" | Entstehung, Funktion und Ende
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| colspan="3" | Entstehung: Die spezialisierte Ausbildung für die Verwaltungslaufbahn (V) wurde an der Marineverwaltungsschule (später Marine-Kriegsschule für Verwaltung) in Kiel-Hassee (nach 1943 teilweise nach Heiligenhafen verlegt) durchgeführt.
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| Standorte: || colspan="3" | Durchführung an der Marineverwaltungsschule (später Marine-Kriegsschule für Verwaltung) in Kiel-Hassee; ab 1943 teilweise Verlegung nach Heiligenhafen.
 
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| colspan="3" | Funktion: Ausbildung zur Leitung der administrativen Prozesse einer Marineeinheit.
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| Grundausbildung: || colspan="3" | Dreimonatiger infanteristischer Basisdienst in einer Schiffsstammabteilung (z. B. Stralsund oder Leer) zur Vermittlung von Disziplin und Waffenkunde.
 
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| colspan="3" | Inhalte: Gebührniswesen (Besoldung), Verpflegungswesen, Bekleidungswirtschaft, Haushaltsrecht der Wehrmacht sowie die Organisation von Lazaretten und Logistikstützpunkten.
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| Fachlehrgang: || colspan="3" | Theoretische Ausbildung in Finanzwesen (Buchführung, Devisenrecht), Versorgungswirtschaft (Verpflegungssätze, Bekleidung) und Militärrecht (Gebührnis- und Völkerrecht).
 
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| colspan="3" | Dienststellung: Nach dem Lehrgang wurden die Offiziere meist als Verwaltungsoffiziere im Stab einer Flottille oder eines Stützpunktes eingesetzt.
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| Praxisphase: || colspan="3" | Kommandierung als „Zahlmeister-Anwärter“ auf größere Einheiten oder in Flottillenstäbe zur praktischen Anwendung der Kassenführung und Inventur.
 
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| colspan="3" | Ende: Die Lehrgänge liefen bis Frühjahr 1945. In der Endphase lag der Fokus auf der Aufrechterhaltung der Versorgung unter massiven Bombenschäden.
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| Ende 1945: || colspan="3" | Aufrechterhaltung des Betriebs bis zum Frühjahr 1945; zuletzt Fokus auf der Versorgungssicherung unter massiven Bombenschäden und logistischen Engpässen.
 
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
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! colspan="3" | Spezifische Merkmale & Verwaltung
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| colspan="3" | Flottillenverwaltung: In jeder U-Boot-Flottille (z. B. der 7. U-Flottille in St. Nazaire) saß ein Absolvent dieses Lehrgangs. Er war verantwortlich dafür, dass die Boote vor dem Auslaufen mit Proviant und Ausrüstung (Ersatzteile, Bekleidung) versorgt wurden.
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| Gebührniswesen: || colspan="3" | Fachliche Leitung der Wehrsoldauszahlung und Familienunterstützung gemäß der Marinedienstvorschrift Nr. 32 (Personalverwaltung).
 
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| colspan="3" | Personalverwaltung: Die korrekte Führung der Soldbücher, die Auszahlung von Wehrsold und Familienunterstützung für die oft monatelang abwesenden Besatzungen unterstand diesen Offizieren.
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| Sonderlogistik: || colspan="3" | Organisation der speziellen Bordbekleidung (Lederpäckchen) und Bewirtschaftung der U-Boot-Stützpunkte in den besetzten Gebieten Frankreichs und Norwegens.
 
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| colspan="3" | Reserve-Offiziere: Viele Reserve-Offizieren (R.O.A.), die im zivilen Leben Kaufleute oder Juristen waren, begannen mit diesem Lehrgang, bevor sie (oft nach einer Umschulung) in den aktiven Dienst auf U-Booten wechselten.
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| Reserve-Offiziere: || colspan="3" | Viele Reserve-Offiziersanwärter (R.O.A.) mit zivilem Hintergrund als Kaufleute oder Juristen begannen ihre militärische Laufbahn mit diesem Lehrgang.
 
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! colspan="3" | Der Ablauf des Lehrgangs
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! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
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| colspan="3" | Militärische Grundausbildung
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| Flottillenstab: || colspan="3" | In jeder U-Boot-Flottille (z. B. der 7. U-Flottille) verantwortete ein Absolvent die Ausstattung der Boote mit Proviant und technischen Ersatzteilen vor dem Auslaufen.
 
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| Verpflegung: || colspan="3" | Kalkulation und Beschaffung der kalorienreichen Sonderverpflegung (U-Boot-Pakete), die für die physische Belastbarkeit der Besatzungen essentiell war.
 
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| colspan="3" | Auch angehende Verwaltungsoffiziere mussten „Seesoldaten“ sein.
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| Personalbetreuung: || colspan="3" | Korrekte Führung der Soldbücher und Abwicklung der Hinterbliebenenversorgung für die oft monatelang im Einsatz befindlichen oder vermissten Besatzungsmitglieder.
| colspan="3" | Dauer: 3 Monate.
 
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| colspan="3" | Ort: Meist eine Schiffsstammabteilung (z. B. in Stralsund oder Leer).
 
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| colspan="3" | Inhalt: Exerzieren, Waffenausbildung (Pistole/Gewehr), Geländedienst und Gehorsamsschulung.
 
 
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| colspan="3" | Theoretischer Fachlehrgang (Die „Akademie“)
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! colspan="3" | Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
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| colspan="3" | An der Marineverwaltungsschule (z. B. Kiel-Hassee).
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| BArch RM 121 / 162 || colspan="3" | Dienstvorschriften über die Ausbildung und Prüfung der Marineverwaltungsoffiziere.
 
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| colspan="3" | Finanzwesen: Buchführung der Wehrmacht, Kassenführung (Führen der Truppenkasse), Devisenrecht (wichtig für Stützpunkte im Ausland wie Frankreich oder Norwegen).
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| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten: Nachweise über die Teilnahme am Verwaltungslehrgang und die Beförderung zum Marine-Stabszahlmeister.
 
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| colspan="3" | Versorgungswirtschaft: Berechnung von Verpflegungssätzen (Kalorien für U-Boot-Besatzungen!), Bekleidungsverwaltung und Materialbeschaffung.
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| BArch RM 3 / 1024 || colspan="3" | Akten des O.K.M. zur Organisation der Verwaltungslaufbahn und der Versorgungswirtschaft.
| colspan="3" | Recht: Militärstrafrecht, Gebührnisrecht (Wehrsold, Familienunterstützung) und Völkerrecht bezüglich Requirierungen in besetzten Gebieten.
 
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| colspan="3" | Bürokratie: Aktenführung gemäß der Marinedienstvorschrift Nr. 32 (Personalverwaltung).
 
 
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| colspan="3" | Das Bord- oder Stützpunktpraktikum
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! colspan="3" | Literaturverweise
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| colspan="3" | Einsatz: Kommandierung als „Zahlmeister-Anwärter“ auf ein größeres Schiff oder in den Stab einer U-Boot-Flottille.
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel zum Verwaltungswesen und den Laufbahnstrukturen).
 
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| colspan="3" | Praxis: Erstellung von Verpflegungsmeldungen, Auszahlung des Wehrsoldes vor dem Auslaufen der Boote und Inventur in den Lagern.
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| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
 
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! colspan="3" | Besonderheit für die U-Boot-Waffe
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| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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| colspan="3" | Verwaltungsoffiziere im Bereich der U-Boot-Stützpunkte mussten zusätzlich lernen, wie man Sonderverpflegung (die sogenannten „U-Boot-Pakete“) und die spezielle Bordbekleidung (Lederpäckchen) in den logistischen Kreislauf einspeist.
 
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! colspan="3" | Quellenangabe
 
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| Bundesarchiv Signatur RM 20 || colspan="3" | Schulen und Bildungseinrichtungen. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Invenio Online-Recherche]. Enthält Lehrgangspläne der Marineverwaltungsschule.
 
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| Bundesarchiv Signatur PERS 6 || colspan="3" | Personalakten von Offizieren. In den Werdegängen von Offizieren der Verwaltungslaufbahn (gekennzeichnet durch ein „V“ oder „Z“ hinter dem Dienstgrad) ist dieser Lehrgang als Kernqualifikation gelistet.
 
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! colspan="3" | Literaturverweise
 
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| Marinedienstvorschrift Nr. 32 || colspan="3" | Bestimmungen für die personelle Verwaltung der Kriegsmarine
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band 2, Abschnitt Marine-Verwaltung).
 
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| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
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| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
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Aktuelle Version vom 20. Februar 2026, 18:25 Uhr

Ausbildung Lehrgang für Verwaltungsoffiziere (Marine-Verwaltungs-Lehrgang)
Der Lehrgang für Verwaltungsoffiziere (auch als Marine-Stabszahlmeister-Lehrgang bezeichnet) bildete die administrative Lebensader der Kriegsmarine. Während Seeoffiziere für den taktischen Waffeneinsatz geschult wurden, sicherten diese Offiziere die materielle und personelle Basis der Flottillen. Sie verantworteten die gesamte Logistik, das Haushaltsrecht sowie die Versorgung der Truppe an Land und auf See.
Entstehung, Funktion und Lehrgangsablauf
Standorte: Durchführung an der Marineverwaltungsschule (später Marine-Kriegsschule für Verwaltung) in Kiel-Hassee; ab 1943 teilweise Verlegung nach Heiligenhafen.
Grundausbildung: Dreimonatiger infanteristischer Basisdienst in einer Schiffsstammabteilung (z. B. Stralsund oder Leer) zur Vermittlung von Disziplin und Waffenkunde.
Fachlehrgang: Theoretische Ausbildung in Finanzwesen (Buchführung, Devisenrecht), Versorgungswirtschaft (Verpflegungssätze, Bekleidung) und Militärrecht (Gebührnis- und Völkerrecht).
Praxisphase: Kommandierung als „Zahlmeister-Anwärter“ auf größere Einheiten oder in Flottillenstäbe zur praktischen Anwendung der Kassenführung und Inventur.
Ende 1945: Aufrechterhaltung des Betriebs bis zum Frühjahr 1945; zuletzt Fokus auf der Versorgungssicherung unter massiven Bombenschäden und logistischen Engpässen.
Spezifische Merkmale & Verwaltung
Gebührniswesen: Fachliche Leitung der Wehrsoldauszahlung und Familienunterstützung gemäß der Marinedienstvorschrift Nr. 32 (Personalverwaltung).
Sonderlogistik: Organisation der speziellen Bordbekleidung (Lederpäckchen) und Bewirtschaftung der U-Boot-Stützpunkte in den besetzten Gebieten Frankreichs und Norwegens.
Reserve-Offiziere: Viele Reserve-Offiziersanwärter (R.O.A.) mit zivilem Hintergrund als Kaufleute oder Juristen begannen ihre militärische Laufbahn mit diesem Lehrgang.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Flottillenstab: In jeder U-Boot-Flottille (z. B. der 7. U-Flottille) verantwortete ein Absolvent die Ausstattung der Boote mit Proviant und technischen Ersatzteilen vor dem Auslaufen.
Verpflegung: Kalkulation und Beschaffung der kalorienreichen Sonderverpflegung (U-Boot-Pakete), die für die physische Belastbarkeit der Besatzungen essentiell war.
Personalbetreuung: Korrekte Führung der Soldbücher und Abwicklung der Hinterbliebenenversorgung für die oft monatelang im Einsatz befindlichen oder vermissten Besatzungsmitglieder.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über die Ausbildung und Prüfung der Marineverwaltungsoffiziere.
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über die Teilnahme am Verwaltungslehrgang und die Beförderung zum Marine-Stabszahlmeister.
BArch RM 3 / 1024 Akten des O.K.M. zur Organisation der Verwaltungslaufbahn und der Versorgungswirtschaft.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel zum Verwaltungswesen und den Laufbahnstrukturen).
Hildebrand, Hans H. "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132