Aktionen

Artillerielehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
(2 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt)
Zeile 3: Zeile 3:
 
| || colspan="3" |  
 
| || colspan="3" |  
  
{| class="wikitable"
+
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed;"
 
|-
 
|-
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt
+
! Ausbildung
 
! '''Artillerielehrgang'''
 
! '''Artillerielehrgang'''
 
|-
 
|-
Zeile 15: Zeile 15:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine war der Artillerielehrgang die zentrale Fachausbildung für Offiziere und Unteroffiziere, um sie in der Feuerleitung, Ballistik und Waffenmechanik der verschiedenen Schiffsgeschütze zu schulen.
+
| colspan="3" | In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine war der Artillerielehrgang die zentrale Fachausbildung für Offiziere und Unteroffiziere. Er diente der Schulung in Feuerleitung, Ballistik und Waffenmechanik. Ziel war die Beherrschung der Schiffsgeschütze sowohl im offensiven Handelskrieg als auch in der defensiven Flugabwehr.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
Zeile 21: Zeile 21:
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Inhalte und Schwerpunkte
+
! colspan="3" | Inhalte, Schwerpunkte & Standorte
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Ausbildung umfasste sowohl theoretische als auch praktische Komponenten. In der Theorie wurden Mathematik, Ballistik und die Funktionsweise von optischen Entfernungsmessern gelehrt. In der Praxis stand der Dienst am Geschütz, die Behebung von Ladehemmungen und das Schießen auf Seeziele im Vordergrund. Während in der Reichsmarine aufgrund der personellen Beschränkungen eine extrem breite Ausbildung an allen Kalibern (von der Flak bis zur schweren Artillerie) stattfand, spezialisierten sich die Lehrgänge in der Kriegsmarine zunehmend auf spezifische Waffensysteme.
+
| Theorie & Praxis: || colspan="3" | Vermittlung von Mathematik, Ballistik und der Funktionsweise optischer Entfernungsmesser. Praktisch standen der Dienst am Geschütz, die Behebung von Ladehemmungen und das Schießen auf See- und Luftziele im Vordergrund.
 +
|-
 +
| Standorte: || colspan="3" | Die Ausbildung fand primär an den Marineartillerieschulen (M.A.S.) statt, unter anderem in Kiel-Wik, Saßnitz oder an spezialisierten Flak-Schulen (z. B. Misdroy).
 +
|-
 +
| Besonderheit „Plattformdynamik“: || colspan="3" | Ein spezifischer Teil der Ausbildung befasste sich mit dem Schießen von einer instabilen Plattform. Die Lehrgangsteilnehmer lernten, das Rollen und Stampfen des Schiffes in die Feuerleitung einzukalkulieren und den Schuss im „Durchgang“ durch die Horizontallinie auszulösen.
 +
|-
 +
| ||
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Bedeutung für die U-Boot-Waffe
+
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | An Bord von U-Booten war das Verständnis der Artillerie für den Handelskrieg und die Flugabwehr entscheidend.
+
| Artillerieoffizier an Bord: || colspan="3" | Für künftige Wachoffiziere war der Lehrgang obligatorisch. Sie fungierten an Bord oft als Artillerieoffiziere und leiteten das Feuer der Deckskanone (z. B. 8,8-cm oder 10,5-cm) sowie der Flak-Bewaffnung.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Wachoffiziersausbildung: Für künftige Wachoffiziere war ein spezieller Artillerielehrgang obligatorisch. Sie lernten die Leitung des Feuers der Deckskanone und der Flugabwehrbewaffnung (Flak). Ein Offizier, der diesen Lehrgang absolviert hatte, fungierte an Bord oft als Artillerieoffizier.
+
| Flak-Abwehr & Tiefflieger: || colspan="3" | Mit zunehmender Luftbedrohung (ab 1943) lag der Fokus auf Flugzeugerkennung und der effizienten Nutzung der 2-cm- und 3,7-cm-Flak. Hierbei wurde auch die taktische Einbeziehung von Luftlagemeldungen der Nachrichtenabteilungen geschult.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Flak-Abwehr: Mit zunehmender Luftbedrohung konzentrierte sich die Ausbildung für U-Boot-Personal auf die Flugzeugerkennung und die effiziente Nutzung der 2 cm- und 3,7 cm-Flak. Das Personal lernte, die Daten der 1. Marine-Nachrichtenabteilung über feindliche Flugbewegungen taktisch in die eigene Verteidigung einzubeziehen.
+
| Besonderheit „Nachtschießen“: || colspan="3" | Für U-Boot-Personal wurde das Schießen bei eingeschränkter Sicht und unter Verwendung von Leuchtspurmunition gedrillt, da Artillerieangriffe auf Frachter oft in der Dämmerung oder nachts über Wasser erfolgten.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Personalreserve: Absolventen des Lehrgangs, insbesondere erfahrene Obermatrosen der Artillerielaufbahn, bildeten in der Personalreserve den Kader für die Besetzung neuer Einheiten während der Baubelehrung. Sie stellten sicher, dass das Boot sofort nach der Indienststellung über eine gefechtsbereite Geschützbedienung verfügte.
+
| ||
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Stellung in der Laufbahn
+
! colspan="3" | Stellung in der Laufbahn & Personalwesen
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der Lehrgang fand meist an der Marineartillerieschule (beispielsweise in Kiel-Wik oder Sassnitz) statt. Der erfolgreiche Abschluss wurde als Fachqualifikation in der Personalakte (Bestand Pers 6) dokumentiert. Er bildete die Grundlage für die Beförderung zum Unteroffizier (Maat/Obermaat) in der Artillerielaufbahn oder war Baustein der Seeoffiziersausbildung der Fähnrichskompanie.
+
| Qualifikation: || colspan="3" | Der erfolgreiche Abschluss bildete die Grundlage für die Beförderung zum Maat/Obermaat der Artillerielaufbahn oder war fester Baustein der Seeoffiziersausbildung (Fähnrichskompanie).
 +
|-
 +
| Personalreserve: || colspan="3" | Absolventen (insbes. erfahrene Obermatrosen) bildeten den Kader für die Baubelehrung neuer Einheiten. Dies stellte sicher, dass ein Boot unmittelbar nach Indienststellung über eine gefechtsbereite Geschützbedienung verfügte.
 +
|-
 +
| Personalhistorie: || colspan="3" | In den Stammrollen (BArch PERS 6) dokumentiert dieser Lehrgang die fachliche Spezialisierung für den Überwasser-Waffeneinsatz.
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | Quellenverweise - [https://www.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 
|-
 
|-
 
| ||  
 
| ||  
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Quellenangabe
+
| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineartillerieschulen. Beinhaltet Schießvorschriften, Lehrgangspläne und technische Beschreibungen der Geschützoptiken.
 
|-
 
|-
| ||  
+
| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten der Kriegsmarine. Dokumentiert die erworbenen Fachqualifikationen und Dienststellungen als Artillerie- oder Flak-Leiter.
 
|-
 
|-
| Bundesarchiv, Signatur RM 88 || colspan="3" | Marineschulen. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Invenio Online-Recherche]. Enthält Lehrgangspläne und Schießberichte der Marineartillerieschulen.
+
| ||
 
|-
 
|-
| Bundesarchiv, Signatur RM 45 || colspan="3" | Marineartillerie-Einheiten. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Invenio Online-Recherche]. Dokumentiert die technische Entwicklung der Geschütze und die Ausbildungsvorschriften.
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" |
+
| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Abschnitt Marineartillerie).
 +
|-
 +
| Busch / Röll || colspan="3" | "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Informationen zur Bewaffnung und Ausbildung des Deckspersonals).
 +
|-
 +
| Harnack, Wolfgang || colspan="3" | "Die deutschen Flak-Abteilungen der Marine" (Details zur spezialisierten Ausbildung an den leichten Flak-Waffen).
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 +
|-
 +
! colspan="3" |
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
+
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
|-
 
| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
 
 
|-
 
|-
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 16. Februar 2026, 14:54 Uhr

Ausbildung Artillerielehrgang
In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine war der Artillerielehrgang die zentrale Fachausbildung für Offiziere und Unteroffiziere. Er diente der Schulung in Feuerleitung, Ballistik und Waffenmechanik. Ziel war die Beherrschung der Schiffsgeschütze sowohl im offensiven Handelskrieg als auch in der defensiven Flugabwehr.
Inhalte, Schwerpunkte & Standorte
Theorie & Praxis: Vermittlung von Mathematik, Ballistik und der Funktionsweise optischer Entfernungsmesser. Praktisch standen der Dienst am Geschütz, die Behebung von Ladehemmungen und das Schießen auf See- und Luftziele im Vordergrund.
Standorte: Die Ausbildung fand primär an den Marineartillerieschulen (M.A.S.) statt, unter anderem in Kiel-Wik, Saßnitz oder an spezialisierten Flak-Schulen (z. B. Misdroy).
Besonderheit „Plattformdynamik“: Ein spezifischer Teil der Ausbildung befasste sich mit dem Schießen von einer instabilen Plattform. Die Lehrgangsteilnehmer lernten, das Rollen und Stampfen des Schiffes in die Feuerleitung einzukalkulieren und den Schuss im „Durchgang“ durch die Horizontallinie auszulösen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Artillerieoffizier an Bord: Für künftige Wachoffiziere war der Lehrgang obligatorisch. Sie fungierten an Bord oft als Artillerieoffiziere und leiteten das Feuer der Deckskanone (z. B. 8,8-cm oder 10,5-cm) sowie der Flak-Bewaffnung.
Flak-Abwehr & Tiefflieger: Mit zunehmender Luftbedrohung (ab 1943) lag der Fokus auf Flugzeugerkennung und der effizienten Nutzung der 2-cm- und 3,7-cm-Flak. Hierbei wurde auch die taktische Einbeziehung von Luftlagemeldungen der Nachrichtenabteilungen geschult.
Besonderheit „Nachtschießen“: Für U-Boot-Personal wurde das Schießen bei eingeschränkter Sicht und unter Verwendung von Leuchtspurmunition gedrillt, da Artillerieangriffe auf Frachter oft in der Dämmerung oder nachts über Wasser erfolgten.
Stellung in der Laufbahn & Personalwesen
Qualifikation: Der erfolgreiche Abschluss bildete die Grundlage für die Beförderung zum Maat/Obermaat der Artillerielaufbahn oder war fester Baustein der Seeoffiziersausbildung (Fähnrichskompanie).
Personalreserve: Absolventen (insbes. erfahrene Obermatrosen) bildeten den Kader für die Baubelehrung neuer Einheiten. Dies stellte sicher, dass ein Boot unmittelbar nach Indienststellung über eine gefechtsbereite Geschützbedienung verfügte.
Personalhistorie: In den Stammrollen (BArch PERS 6) dokumentiert dieser Lehrgang die fachliche Spezialisierung für den Überwasser-Waffeneinsatz.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der Marineartillerieschulen. Beinhaltet Schießvorschriften, Lehrgangspläne und technische Beschreibungen der Geschützoptiken.
BArch PERS 6 Personalakten der Kriegsmarine. Dokumentiert die erworbenen Fachqualifikationen und Dienststellungen als Artillerie- oder Flak-Leiter.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945". Band II (Abschnitt Marineartillerie).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939-1945". (Informationen zur Bewaffnung und Ausbildung des Deckspersonals).
Harnack, Wolfgang "Die deutschen Flak-Abteilungen der Marine" (Details zur spezialisierten Ausbildung an den leichten Flak-Waffen).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132