Aktionen

U-Abwehrlehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

(Die Seite wurde neu angelegt: „{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center" |- | || colspan="3" | {| class="wikitable…“)
 
 
Zeile 1: Zeile 1:
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
+
{| style="background-color:#FFFFE0; border:3px double black; width:100%; table-layout:fixed; border-collapse:separate; padding:10px; font-weight:normal;"
 +
 
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |
+
|
 +
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed; background-color:#FFFFE0; font-weight:normal;"
  
{| class="wikitable"
 
 
|-
 
|-
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt
+
! Ausbildung
 
! '''U-Abwehrlehrgang'''
 
! '''U-Abwehrlehrgang'''
 +
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der U-Abwehrlehrgang markiert einen historisch bedeutsamen Wendepunkt: Es war das Jahr, in dem die Ausbildung von der geheimen Phase der Reichsmarine in die offizielle Phase der Kriegsmarine überging. Der Lehrgang diente dazu, Offiziere und Spezialisten in der Lokalisierung und Bekämpfung von U-Booten zu schulen.
+
 
 +
| colspan="3" | Der U-Abwehrlehrgang war die zentrale Institution zur Schulung in der Ortung und Bekämpfung getauchter Gegner. Er vereinte die offizielle Defensivschulung der Kriegsmarine mit den verdeckten Ausbildungsprogrammen der Reichsmarine-Ära sowie hochgeheimen technischen Erprobungen. Ziel war die Schaffung einer spezialisierten Kadergruppe, die sowohl die Abwehr als auch die taktische Führung von Unterseebooten auf höchstem Niveau beherrschte.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Kontext und Zielsetzung
+
! colspan="3" | I. Offizielle & Taktische Phase (Kriegsmarine ab 1935)
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Im Jahr 1935, dem Jahr des Deutsch-Britischen Flottenabkommens, wurde die U-Boot-Abwehr zu einer offiziellen Priorität. Der Lehrgang sollte sicherstellen, dass die Besatzungen der Überwassereinheiten (wie der 1. Minensuchhalbflottille oder der neuen Zerstörerhalbflottillen) in der Lage waren, die (damals noch weitgehend unbekannte) Bedrohung durch getauchte Gegner zu parieren.
+
 
 +
| Funktion: || colspan="3" | Systematische Qualifizierung von Personal für Zerstörer, Minensuchboote und Vorpostenverbände zum Schutz von Geleitzügen und Flottenverbänden.
 +
|-
 +
 
 +
| Ortung: || colspan="3" | Schulung an Schallortungsanlagen (S-Gerät) und Gruppenhorchgeräten zur exakten Ermittlung von Kurs, Distanz und Tiefe feindlicher Einheiten.
 
|-
 
|-
 +
 +
| Waffeneinsatz: || colspan="3" | Drill an Wasserbomben-Werfern und Ablaufbühnen sowie die taktische Berechnung von Vorhaltewinkeln zur Erzielung von Vernichtungstreffern.
 +
|-
 +
 +
| Standorte: || colspan="3" | Durchführung primär an der U-Abwehrschule (U.A.S.) in Kiel-Wik oder Neustadt sowie an den Marinenachrichtenschulen.
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Ausbildungsinhalte
+
 
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | II. Geheime Phase & Tarnung (Reichsmarine bis 1935)
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Horch- und Ortungstechnik: Die Teilnehmer lernten die Bedienung der frühen Gruppenhorchgeräte und der ersten aktiven Schallortungsanlagen (S-Gerät). Dies war das Gegenstück zum späteren Ortungslehrgang der U-Boot-Waffe.
+
 
 +
| Tarnung: || colspan="3" | Nutzung der defensiven Schulung als legaler Deckmantel zur Umgehung des Versailler Vertrags und zur Konservierung von U-Boot-Wissen im Verborgenen.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Taktik der Wasserbombenbekämpfung: Es wurden die optimalen Anlaufkurse und Abwurf-Schemata für Wasserbomben gelehrt. Ein Offizier, der diesen Lehrgang absolvierte, musste die Manövrierfähigkeit von U-Booten genau verstehen, um deren Ausweichmanöver vorausahnen zu können.
+
 
 +
| Kaderbildung: || colspan="3" | Gezielte Selektion der Crews 25 bis 34; die Teilnehmer erlernten unter dem Vorwand der Abwehr faktisch die Angriffsperiskopie und die Hydrophon-Navigation.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Zusammenarbeit: Die Koordination mit dem Signaldienst zur Meldung von Sichtungen (Thema: Meldeformeln bei Flugzeugsichtung) und die Einbeziehung der Fernaufklärer wurden intensiv geübt.
+
 
 +
| Taktik-Inversion: || colspan="3" | Durch das Studium der Abwurfmuster von Wasserbomben wurden gleichzeitig die lebensnotwendigen Ausweichmanöver für die künftige U-Boot-Waffe entwickelt.
 
|-
 
|-
 +
 +
| Auslandsprojekte: || colspan="3" | Einfließen von Erfahrungen aus den IvS-Projekten (Niederlande/Finnland) in die Lehrinhalte zur technischen Optimierung deutscher Systeme.
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Bedeutung für künftige U-Boot-Kommandanten
+
 
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | III. Spezifische technische Merkmale & Erprobungen
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Für die Seeoffiziere der Fähnrichskompanie (insbesondere die Crew 35) war dieser Lehrgang oft Teil der Ausbildung, bevor sie selbst zur U-Boot-Waffe wechselten. Ein Kommandant, der die U-Abwehr „von der anderen Seite“ gelernt hatte, wusste im Gefecht genau, wie die Sicherungsverbände des Gegners (beispielsweise unter dem Führer der Vorpostenboote West) operierten und welche Fehler er beim Tauchen vermeiden musste.
+
 
 +
| Pelztier-Geräte: || colspan="3" | Geheime Erprobung von Magnet-Ortungsgeräten zur Erfassung der Rumpfsignatur; Basis für die spätere Entwicklung von Magnet-Zündern bei Wasserbomben.
 +
|-
 +
 
 +
| Atlas-Echolote: || colspan="3" | Intensivschulung an Präzisions-Loten der Atlas-Werke zur Deutung der Bodenbeschaffenheit und Identifikation „liegender“ Boote am Meeresgrund.
 +
|-
 +
 
 +
| Aufschlag-Wabos: || colspan="3" | Ausbildung an Wasserbomben mit Aufschlagzündung für flache Gewässer, was eine extrem präzise Feuerleitung auf den Turmbereich erforderte.
 
|-
 
|-
 +
 +
| Schallphysik: || colspan="3" | Lehre über Temperaturschichtungen (Thermoklinen) und deren Einfluss auf die Schallausbreitung – ein Wissen, das später essentiell für die „Schleichfahrt“ war.
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Ausbildungsstätten
+
 
 +
| ||
 +
|-
 +
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der Lehrgang fand primär an der Nachrichtenschule in Kiel-Wik oder an der U-Abwehrschule statt. Er bildete die personelle Basis für die Sicherungs-Divisionen, die später den Schutz der deutschen Küstengewässer und der eigenen U-Boote beim Auslaufen sicherstellten.
+
 
 +
| Nahtloser Übergang: || colspan="3" | Absolventen der geheimen Phase konnten 1935 sofort als erfahrene Kommandanten auf die ersten Boote vom Typ [[II A]] der [[1. U-Flottille]] versetzt werden.
 +
|-
 +
 
 +
| Taktik-Transfer: || colspan="3" | Erkenntnisse über feindliche Abwehrverfahren wurden unmittelbar in die Ausbildung der [[1. U-Lehrdivision|1. U.L.D.]] integriert, um Frontbesatzungen taktisch zu überhöhen.
 
|-
 
|-
 +
 +
| Personalhistorie: || colspan="3" | In den Personalakten (BArch PERS 6) dokumentieren diese Lehrgänge die Transformation vom Seeoffizier zum hochspezialisierten U-Boot-Führer.
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| ||
+
! colspan="3" | Quellenverweise - [https://invenio.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 +
 
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Quellenangabe
+
| ||
 
|-
 
|-
| ||  
+
 
 +
| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen (Lehrgangspläne, Prüfungsprotokolle und Teilnehmerlisten der U-Abwehrschule).
 
|-
 
|-
| Bundesarchiv, Signatur RM 20 || colspan="3" | Dienststellen der Reichsmarine. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Direktrecherche Invenio]. Enthält die Übergangsvorschriften zur U-Abwehr aus dem Jahr 1935.
+
 
 +
| BArch RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen der Inspektion des Unterseebootwesens (Berichte zur geheimen Aufrüstung und Kaderplanung).
 
|-
 
|-
| Bundesarchiv, Signatur RM 91 || colspan="3" | Dienststellen der U-Boot-Waffe. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Direktrecherche Invenio]. Dokumentiert die Erkenntnisse der U-Abwehr-Erprobungen.
+
 
 +
| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten: Dokumentation der Spezialisierung auf U-Abwehr bei Kommandanten der frühen Kriegsmarine.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" |
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
 
 +
| Rössler, Eberhard || colspan="3" | "Geschichte des deutschen U-Bootbaus" (Analyse der geheimen Projekte und Tarnfirmen).
 
|-
 
|-
 +
 +
| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel Erziehungs- und Bildungswesen).
 +
|-
 +
 +
| Giessler, Helmuth || colspan="3" | "Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst" (Technische Entwicklung der S-Geräte und Horchtechnik).
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
+
 
 +
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 +
|-
 +
! colspan="3" |
 +
 
 +
|-
 +
| ||
 
|-
 
|-
| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
+
 
 +
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
 
|-
 
|-
 +
 +
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 15:06 Uhr

Ausbildung U-Abwehrlehrgang
Der U-Abwehrlehrgang war die zentrale Institution zur Schulung in der Ortung und Bekämpfung getauchter Gegner. Er vereinte die offizielle Defensivschulung der Kriegsmarine mit den verdeckten Ausbildungsprogrammen der Reichsmarine-Ära sowie hochgeheimen technischen Erprobungen. Ziel war die Schaffung einer spezialisierten Kadergruppe, die sowohl die Abwehr als auch die taktische Führung von Unterseebooten auf höchstem Niveau beherrschte.
I. Offizielle & Taktische Phase (Kriegsmarine ab 1935)
Funktion: Systematische Qualifizierung von Personal für Zerstörer, Minensuchboote und Vorpostenverbände zum Schutz von Geleitzügen und Flottenverbänden.
Ortung: Schulung an Schallortungsanlagen (S-Gerät) und Gruppenhorchgeräten zur exakten Ermittlung von Kurs, Distanz und Tiefe feindlicher Einheiten.
Waffeneinsatz: Drill an Wasserbomben-Werfern und Ablaufbühnen sowie die taktische Berechnung von Vorhaltewinkeln zur Erzielung von Vernichtungstreffern.
Standorte: Durchführung primär an der U-Abwehrschule (U.A.S.) in Kiel-Wik oder Neustadt sowie an den Marinenachrichtenschulen.
II. Geheime Phase & Tarnung (Reichsmarine bis 1935)
Tarnung: Nutzung der defensiven Schulung als legaler Deckmantel zur Umgehung des Versailler Vertrags und zur Konservierung von U-Boot-Wissen im Verborgenen.
Kaderbildung: Gezielte Selektion der Crews 25 bis 34; die Teilnehmer erlernten unter dem Vorwand der Abwehr faktisch die Angriffsperiskopie und die Hydrophon-Navigation.
Taktik-Inversion: Durch das Studium der Abwurfmuster von Wasserbomben wurden gleichzeitig die lebensnotwendigen Ausweichmanöver für die künftige U-Boot-Waffe entwickelt.
Auslandsprojekte: Einfließen von Erfahrungen aus den IvS-Projekten (Niederlande/Finnland) in die Lehrinhalte zur technischen Optimierung deutscher Systeme.
III. Spezifische technische Merkmale & Erprobungen
Pelztier-Geräte: Geheime Erprobung von Magnet-Ortungsgeräten zur Erfassung der Rumpfsignatur; Basis für die spätere Entwicklung von Magnet-Zündern bei Wasserbomben.
Atlas-Echolote: Intensivschulung an Präzisions-Loten der Atlas-Werke zur Deutung der Bodenbeschaffenheit und Identifikation „liegender“ Boote am Meeresgrund.
Aufschlag-Wabos: Ausbildung an Wasserbomben mit Aufschlagzündung für flache Gewässer, was eine extrem präzise Feuerleitung auf den Turmbereich erforderte.
Schallphysik: Lehre über Temperaturschichtungen (Thermoklinen) und deren Einfluss auf die Schallausbreitung – ein Wissen, das später essentiell für die „Schleichfahrt“ war.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Nahtloser Übergang: Absolventen der geheimen Phase konnten 1935 sofort als erfahrene Kommandanten auf die ersten Boote vom Typ II A der 1. U-Flottille versetzt werden.
Taktik-Transfer: Erkenntnisse über feindliche Abwehrverfahren wurden unmittelbar in die Ausbildung der 1. U.L.D. integriert, um Frontbesatzungen taktisch zu überhöhen.
Personalhistorie: In den Personalakten (BArch PERS 6) dokumentieren diese Lehrgänge die Transformation vom Seeoffizier zum hochspezialisierten U-Boot-Führer.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 Akten der Marineschulen (Lehrgangspläne, Prüfungsprotokolle und Teilnehmerlisten der U-Abwehrschule).
BArch RM 20 / 893 Unterlagen der Inspektion des Unterseebootwesens (Berichte zur geheimen Aufrüstung und Kaderplanung).
BArch PERS 6 Personalakten: Dokumentation der Spezialisierung auf U-Abwehr bei Kommandanten der frühen Kriegsmarine.
Literaturverweise
Rössler, Eberhard "Geschichte des deutschen U-Bootbaus" (Analyse der geheimen Projekte und Tarnfirmen).
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel Erziehungs- und Bildungswesen).
Giessler, Helmuth "Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst" (Technische Entwicklung der S-Geräte und Horchtechnik).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132