Aktionen

Reserve-Offizierslehrgang

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Version vom 20. Februar 2026, 18:14 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Ausbildung Reserve-Offizierslehrgang (R.O.L.)
Der Reserve-Offizierslehrgang (R.O.L.) war das zentrale Ausbildungselement der Kriegsmarine, um zivil vorgebildete Männer wie Abiturienten, Akademiker oder erfahrene Seeleute der Handelsmarine für den Offiziersdienst zu qualifizieren. Er diente der militärischen und fachlichen Formung künftiger Führungskräfte, um den enormen Personalbedarf der expandierenden Flotte, insbesondere der U-Boot-Waffe, zu decken.
Entstehung, Funktion und Ausbildungsinhalte
Entstehung: Massive Ausweitung der Lehrgänge ab 1939, da die aktiven Offiziersjahrgänge (Crews) für die personellen Anforderungen des Seekrieges nicht mehr ausreichten.
Funktion: Kompakter militärischer und fachlicher Schliff für Reserve-Offiziersanwärter (R.O.A.) zur Erlangung der Offiziersreife innerhalb einer verkürzten Ausbildungszeit.
Inhalte: Vermittlung von Kenntnissen in Navigation, Seemannschaft, Waffenkunde (Artillerie/Torpedo), Signaldienst, Militärstrafrecht sowie die methodische Menschenführung.
Standorte: Durchführung an spezialisierten Marineschulen, insbesondere in Heiligenhafen, Schleswig, Breege auf Rügen sowie an der Marineschule Mürwik.
Ende 1945: Aufrechterhaltung des Lehrbetriebs bis in das Frühjahr 1945, zuletzt unter improvisierten Bedingungen in den verbliebenen norddeutschen Stützpunkten.
Spezifische Merkmale & Qualifikation
Vorbildung: Berücksichtigung der zivilen Expertise; beim Dienst von Handelsschiffsoffizieren (H.S.O.) konnte die Lehrgangsdauer kriegsbedingt auf 3 bis 9 Monate gestrafft werden.
Status: Nach erfolgreichem Abschluss erfolgte die Ernennung zum Leutnant zur See der Reserve (d. R.) und die Eingliederung in die entsprechenden Reserve-Offizierslisten.
Prüfungsverfahren: Abschluss durch eine umfassende Reserve-Offiziersprüfung zur Feststellung der fachlichen Eignung für den eigenverantwortlichen Dienst an Bord.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Kommandanten d. R.: Ein Großteil der U-Boot-Kommandanten in der zweiten Kriegshälfte (ab 1942) rekrutierte sich aus Reserveoffizieren, die diesen Lehrgang erfolgreich absolviert hatten.
Spezialisierung: Der R.O.L. bildete die obligatorische Basis, gefolgt von fachspezifischen Kursen wie dem Torpedolehrgang oder der taktischen Schulung bei den U-Boots-Lehrdivisionen.
Personalreserve: Sicherstellung einer kontinuierlichen Zuweisung technisch und nautisch vorgebildeter Führungskräfte für die Besetzung der Wachoffiziersposten auf Frontbooten.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über die Ausbildung und Prüfung der Offiziere des Beurlaubtenstandes (Reserve-Offiziere).
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über die Teilnahme am "R.O.L." und die Beförderung zum Offizier der Reserve.
BArch RM 3 / 1024 Akten des O.K.M. zur Laufbahnordnung und den Richtlinien für Reserve-Offiziersanwärter der U-Boot-Waffe.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel Erziehungs- und Bildungswesen sowie Reserve-Offizierslaufbahn).
Hildebrand, Hans H. "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132