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Lehrgang für Typ XXI

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Ausbildung Lehrgang für Typ XXI
Der Lehrgang für Typ XXI war die hochspezialisierte Umschulung für das technische und operative Führungspersonal auf das erste echte „Elektro-U-Boot“ der Welt. Da der Typ XXI eine radikale Abkehr von den bisherigen Tauchbooten darstellte (hohe Unterwassergeschwindigkeit, Schnorchelbetrieb, hydraulische Schnellladeeinrichtungen), war dieser Lehrgang für die U-Boot-Waffe im Jahr 1944/45 von höchster Priorität. Er markierte den Übergang von der Überwasser-Taktik zum reinen Unterwasserkrieg.
Inhalte und Schwerpunkte
Elektrotechnik: Intensivschulung an den massiv vergrößerten Batterieanlagen (Doppelstock) und den neuen Heros-E-Maschinen (Schleichmotoren) für lautlose Fahrt.
Hydraulik: Umfassende Einweisung in die komplexen hydraulischen Systeme für die Ruderanlage, die Ausfahrgeräte und die neuartigen Torpedoladeeinrichtungen.
Schnorchelbetrieb: Training der dauerhaften Unterwasserfahrt und des Gasaustauschs unter Schnorchelbedingungen zur Vermeidung der gegnerischen Radarortung.
Ortungstechnik: Schulung am Gruppenhorchgerät (GHG) und dem Funkmessbeobachtungsgerät (FuMB), da das Boot primär horch- und ortungsgestützt für den Angriff konzipiert war.
Organisation und Standorte
Leitung: Die Koordination lag beim Führer der Unterseeboote Ausbildungsflottillen (F.d.U. Ausb.), namentlich unter Karl-Friedrich Merten und später Viktor Schütze.
31. U-Flottille: Standort Hamburg; Fokus auf der Baubelehrung, der technischen Einweisung und der Übernahme des Bootes direkt von der Werft.
32. U-Flottille: Standort Königsberg/Schichau; Durchführung der taktischen Grundausbildung und Einfahren der Besatzung im Ostseeraum.
Agru-Front: Standort Hela; Durchführung der gefechtsmäßigen Endausbildung und Abnahme der Frontreife unter simulierten Einsatzbedingungen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Umdenken: Der Lehrgang sollte das taktische „Umdenken“ erzwingen; weg vom Überwasserangriff hin zur Nutzung der hohen Unterwassergeschwindigkeit (über 17 Knoten).
Kriegsdruck: Aufgrund massiver Bombenangriffe auf die Werften wurden die Lehrgänge 1944/45 oft unterbrochen oder direkt auf die Boote während der Endausrüstung verlegt.
Personal: Kommandanten und Leitende Ingenieure mussten diesen Lehrgang zwingend absolvieren, bevor sie ein Boot des Typs XXI in Dienst stellen durften.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 98 Unterseeboote der Kriegsmarine: Enthält die spezifischen Ausbildungsrichtlinien und technischen Merkblätter für den Typ XXI.
BArch RM 30 U-Flottillen: Akten der 31. und 32. U-Flottille über die Durchführung der Typ-XXI-Kurse und personelle Zuweisungen.
BArch PERS 6 Personalakten: Werdegänge mit dem Vermerk „Lehrgang Typ XXI“ oder „Komm. zur Baubelehrung Typ XXI“ als Qualifikationsnachweis.
Literaturverweise
Rössler, Eberhard "U-Boottyp XXI" (Standardwerk zur Technik, Entwicklung und Ausbildung des Elektrobootes).
Busch / Röll "Der U-Boot-Krieg 1939–1945, Band 2" (Detaillierte Darstellung der Agru-Front und der Typ XXI-Schulung).
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band 1, Abschnitt: Ausbildungswesen der U-Boot-Waffe).
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