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Marinelazarett Pillau

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Sanitätsdienst Marinelazarett Pillau
Das Marinelazarett Pillau war eine zentrale medizinische Einrichtung der Marinestation der Ostsee mit einer Schlüsselrolle bei der Betreuung der U-Boot-Ausbildungsverbände. Bereits in der Reichsmarine als Standortlazarett betrieben, wurde es ab 1935 massiv erweitert und unterstand dem Stationsarzt Ostsee sowie dem Seekommandanten Ostpreußen. Es war spezialisiert auf U-Boot-Medizin, Druckkammerbehandlungen und die sanitätsdienstliche Betreuung der 1. Unterseeboots-Lehrdivision (1. U.L.D.). Ab 1944 fungierte es als Hauptverbandplatz für über See evakuierte Truppen der Kurland- und Ostfront. Während der Kämpfe um das Samland im Frühjahr 1945 wurde das Lazarett unter extremen Bedingungen geräumt und Patienten sowie Personal im Rahmen der „Operation Hannibal“ nach Westen evakuiert, bevor Pillau im April 1945 fiel.
Historischer Kontext & Organisation
Anfang: Kontinuierlicher Ausbau vom einfachen Standortlazarett der Festung Pillau hin zur hochspezialisierten medizinischen Fachklinik für die Kriegsmarine.
Status: Regionale Zuständigkeit im Bereich des Seekommandanten Ostpreußen; enge Anbindung an die Ausbildungsinfrastruktur der Danziger Bucht.
Aufgaben: Allgemeine klinische Versorgung; Durchführung gesetzlicher U-Boot-Tauglichkeitsprüfungen; Behandlung von Tauchretter-Unfällen und Druckfallkrankheiten.
Ende 1945: Räumung unter Feindeinwirkung im Frühjahr 1945; Koordination massiver Verwundetentransporte über die Ostsee bis zum Fall der Stadt im April.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Ausbildungsbetreuung: Zentrale Anlaufstelle für die 1. U.L.D.; Durchführung der medizinischen Eingangs- und Verlaufsuntersuchungen für fast alle U-Boot-Besatzungen.
Unfallstation: Primäre Versorgungsinstanz bei Tauchunfällen während der taktischen AGRU-Front-Ausbildung; Vorhaltung spezialisierter Druckkammer-Kapazitäten.
Biografischer Marker: In den Personalakten (BArch PERS 6) belegt ein Aufenthalt oft die finale Feststellung der Fronttauglichkeit oder die Behandlung von Verletzungen aus dem Übungsbetrieb.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Sanitätsdienst Ostsee: Dienstvorschriften über die fachliche Organisation und die spezifische Ausstattung der Marinelazarette im Bereich Ostpreußen.
BArch PERS 6 Personalakten: Invenio-Nachweis für Marineangehörige mit ärztlichen Zeugnissen über Tauglichkeitsuntersuchungen und Behandlungen am Standort Pillau.
BArch RM 7 / 2337 Seekriegsleitung (Skl): Akten zur logistischen Planung der Lazarett-Evakuierungen im Osten und Berichte über den sanitätsdienstlichen Einsatz 1945.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand „Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945“ (Band 2, Abschnitt Sanitätswesen: Organisation der Lazarette und Krankensammelpunkte im Osten).
Hildebrand, Hans H. „Die deutschen Kriegsschiffe: Biographien“ (Kontext zum Marinestandort Pillau als Tor zur Ostsee und dessen infrastruktureller Bedeutung).
Herzog, Bodo „Deutsche U-Boote 1906–1966“ (Informationen zur spezialisierten medizinischen Infrastruktur für die U-Boot-Waffe in den Ausbildungsgebieten der Ostsee).
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