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Kreisellkompaßlehrgang

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Ausbildung Kreiselkompaßlehrgang
Der Kreiselkompaßlehrgang war eine hochspezialisierte technische Fachausbildung für Steuermänner und Elektro-Personal der Kriegsmarine. Er diente der Einweisung in die Bedienung, Wartung und Fehlerbehebung der komplexen Kreiselkompaßanlagen (primär System Anschütz & Co.). Da Magnetkompasse in der Stahlhülle von U-Booten sowie durch elektrische Störfelder massiven Ablenkungen unterlagen, war der Kreiselkompaß das lebenswichtige Instrument für die Navigation und die Datenfütterung der Torpedorechengeber. Der Lehrgang vermittelte tiefgehende Kenntnisse über die physikalischen Grundlagen der Präzessionsbewegung, die Elektrotechnik der Tochterkompasse und die mechanische Instandsetzung unter Bordbedingungen. In den Personalunterlagen dokumentiert dieser Lehrgang eine Spitzenqualifikation im Bereich der nautischen Präzisionstechnik.
Ausbildungsinhalte & Schwerpunkte
Systemkunde: Studium der Anschütz-Mehrkreiselanlagen; Aufbau des Mutterkompasses, der Kreiselkugeln und der empfindlichen Flüssigkeitslagerung.
Elektrotechnik: Wartung der Umformer und der elektrischen Übertragungssysteme zu den Tochterkompassen auf der Brücke, am U.Z.O. und in der Zentrale.
Instandsetzung: Praktisches Training im Austausch von Kreiselkugeln und der Justierung des Systems nach Erschütterungen (z.B. durch Wasserbombenverfolgung).
Fehlerlehre: Berechnung und Kompensation von Geschwindigkeits- und Breitenfehlern sowie die Behebung von "Auswandern" des Kompasses bei extremen Manövern.
Spezifische Details & Ergänzungen
Schleichfahrt: Besondere Unterweisung in der geräuscharmen Wartung und dem Betrieb der Anlage zur Vermeidung von Ortungsgeräuschen während der Unterwasserfahrt.
Torpedoleitdaten: Schulung in der präzisen Koppelung des Kreiselkompasses mit dem Torpedorechengeber (T.R.G.) zur Sicherstellung exakter Vorhaltewinkel.
U-Jagd-Resistenz: Ausbildung zur schnellen Neujustierung der Anlage nach schweren Detonationen, um die Orientierung des Bootes unmittelbar nach Angriffen zu sichern.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Navigationssicherheit: Der Kreiselkompaß war die einzige verlässliche Kursquelle während der oft wochenlangen Unterwasser- oder Schlechtwetterfahrten im Atlantik.
Personal-Spezialisierung: Lehrgangsteilnehmer (meist Obersteuermänner) trugen die alleinige Verantwortung für die "Nervenstränge" der nautischen und taktischen Führung an Bord.
Biografischer Marker: In den Personalakten (BArch PERS 6) belegt dieser Lehrgang die Befähigung zur Wartung eines der teuersten und empfindlichsten Geräte der U-Boot-Technik.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 142 Marine-Fachschulen: Lehrpläne der Navigationsschulen und technische Prüfungsordnungen für Kreiselkompaß-Spezialisten der Kriegsmarine.
BArch RM 20 / 1215 Inspektion des U-Bootwesens: Akten zur technischen Zuverlässigkeit der Anschütz-Anlagen unter Gefechtsbedingungen und Ausbildungsanforderungen.
BArch PERS 6 Personalakten: Individuelle Nachweise über erfolgreich absolvierte Kreiselkompaßlehrgänge bei Navigationsoffizieren und Steuermännern.
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zur fachspezifischen nautischen Ausbildung und den Navigationsschulen).
Giessler, Helmuth Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst (Detaillierte technische Darstellung der Kreiselkompaß-Entwicklung und Schulung).
Rössler, Eberhard Geschichte des deutschen U-Bootbaus (Kontext zur technischen Integration der Kreiselkompasse in die verschiedenen U-Boot-Typen).
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