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Gasschutzlehrgang

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Ausbildung Gasschutzlehrgang
Der Gasschutzlehrgang war eine obligatorische Ausbildung für alle Dienstgradgruppen der Marine. Er diente der Vorbereitung der Besatzungen auf den Einsatz chemischer Kampfstoffe sowie auf technische Gasunfälle an Bord. In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine bildete dieser Lehrgang eine lebenswichtige Voraussetzung für den Dienst in abgeschlossenen Räumen, insbesondere auf U-Booten.
Historische Entwicklung & Ausbildungsinhalte
Ursprung: Entwicklung ab 1915 als Reaktion auf den Gaskrieg; Fokus auf Schutz vor Lungen- und Hautgiften sowie Handhabung der Gasschutzmaske 17.
Reichsmarine: Methodische Perfektionierung und Obligatorium für alle Mannschaften. Training in Gaskammern mit Reizgas zur Stärkung des Vertrauens in die Schutzmaske unter Realbedingungen.
Borddienst-Spezifik: Ergänzung des Kompaniedienstes um Schiffs-Dekontaminationsübungen, insbesondere für Einheiten wie die 1. Torpedobootshalbflottille.
Kriegsmarine: Übernahme der Standards als Voraussetzung für die Baubelehrung; Sicherstellung der Handlungsfähigkeit bei Bränden in Stützpunkten wie dem U-Stützpunkt Bergen.
Spezifische Merkmale & U-Boot-Besonderheiten
Batteriegase: Schutz vor lebensgefährlichem Chlorgas, das bei Wassereinbruch in die Akkumulatoren entsteht. Drill zum „blinden“ Anlegen der Maske innerhalb weniger Sekunden.
Abgas-Gefahren: Vermittlung von Kenntnissen über Dieselabgase und Kohlenmonoxid bei Fehlfunktionen der Lüftungsanlage während langer Tauchfahrten.
Tauchretter-Synergie: Engste Verknüpfung mit dem Tauchretter-Training, da das Gerät im Notfall auch als Atemschutz gegen Brandgase in der Bilge oder Zentrale genutzt wurde.
Gasdisziplin: Verantwortung der Kommandanten und Wachoffiziere für die ständige Einsatzbereitschaft der Schutzgeräte in Frontstützpunkten wie dem U-Stützpunkt Bergen.
Stellung in der Laufbahn & Qualifikation
Dokumentation: Der erfolgreiche Abschluss war zwingende Voraussetzung für die Versetzung zu einer Frontflottille und wurde in der Personalakte (BArch PERS 6) vermerkt.
Auffrischung: Regelmäßige Wiederholungskurse im Rahmen des Landdienstes zur Aufrechterhaltung der Schutzfertigkeiten des gesamten Personals vom Rekruten bis zum Obermatrosen.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über den Gasschutzdienst in der Kriegsmarine (Ausbildung und Gerätekunde).
BArch RM 123 Akten der Marineschulen: Lehrgangspläne für Gasschutz-Sonderlehrgänge an den Schiffsstammabteilungen.
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über die Gasschutz-Qualifikation als Teil der Verwendungsfähigkeit.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel Erziehungs- und Bildungswesen).
Rössler, Eberhard "Geschichte des deutschen U-Bootbaus" (Technische Sicherheitsaspekte und Batteriegasschutz).
Hildebrand, Hans H. "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
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