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Gasschutzunteroffizier

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Dienststellung Gasschutzunteroffizier
Ein Gasschutzunteroffizier war ein spezialisierter Unteroffizier, der für die Einsatzbereitschaft und Ausbildung im Bereich der chemischen Kriegsführung sowie des allgemeinen Gasschutzes verantwortlich zeichnete. An Bord von U-Booten war diese Funktion aufgrund der hermetischen Abriegelung der Atmosphäre von existenzieller Bedeutung. Er koordinierte nicht nur die Abwehr externer Kampfstoffe, sondern überwachte primär die internen Gefahren durch austretende Gase aus den Batterieanlagen, was insbesondere nach Gefechtsschäden über Leben und Tod der Besatzung entschied.
Aufgaben und Funktionen
Geräteverwaltung: Verantwortung für die fachgerechte Lagerung, Instandhaltung und regelmäßige technische Überprüfung aller Gasmasken, Filter und Gasschutzanzüge an Bord.
Ausbildung: Durchführung von Gasschutzlehrgängen für die Besatzung; Drill zum schnellen Anlegen der Maske, Dichtigkeitsprüfungen und Verhaltenstraining bei chemischem Alarm.
Gasspürdienst: Identifizierung von Kampfstoffen sowie Messung von Schadstoffkonzentrationen in der engen Bootsatmosphäre mittels Gasspürgeräten und Reagenzien.
Landschutz: In Ausbildungseinheiten wie der 9. Schiffsstammabteilung Koordination des baulichen Gasschutzes der Bunkeranlagen und Sicherstellung der Entgiftungsmittel-Bestände.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Nebenfunktion: Da U-Boote keinen Platz für reine Spezialisten boten, wurde diese Aufgabe meist von einem Sanitäts- oder Artillerie-Maat in personeller Union wahrgenommen.
Batterie-Havarie: Kritische Überwachung der Luftqualität hinsichtlich Chlorgas-Entwicklung bei Wassereinbruch in die Batterietanks oder Knallgas-Bildung während der Ladung.
Qualifikation: Absolvierung spezialisierter Lehrgänge an der Gasschutzschule der Marine (z. B. Berlin-Tegel oder Kiel); obligatorischer Nachweis im Wehrpass vor Frontkommandierung.
Vernebelung: Fachliche Aufsicht über die Nebelgeräte an Bord, die taktisch zur Verschleierung der eigenen Position bei Überwassergefechten eingesetzt werden konnten.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Personalakten: Belegt die erfolgreiche Teilnahme an Gasschutzlehrgängen mit spezifischen Qualifikationsnachweisen der Marine-Gasschutzschulen.
BArch RM 11 Inspektion der Marineartillerie: Enthält zentrale Vorschriften, da das Gasschutz- und Nebelwesen organisatorisch der Artillerieinspektion zugeordnet war.
BArch RHD 18 M.Dv. 32: Die Personalordnung und Bordordnung regeln die exakten Zuständigkeiten des Gasschutzpersonals innerhalb der Gefechtsrollen-Verteilung.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939-1945" (Band 2, Abschnitt Sanitätswesen und Gasschutz: Organisation des Abwehrdienstes).
Rössler, Eberhard "Die deutschen U-Boote und ihre Hilfsschiffe" (Kontext zur technischen Überwachung der Luftreinhalteanlagen an Bord).
M.Dv. 32 "Bestimmungen für die personelle Verwaltung der Kriegsmarine" (Administrative Einordnung der Gasschutz-Sonderausbildungen).
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