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Geschützführerlehrgang

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Ausbildung Geschützführerlehrgang (Marineartillerie)
Ein Geschützführerlehrgang war eine fachspezifische Elite-Ausbildung der Marineartillerie, die Unteroffiziere dazu qualifizierte, ein einzelnes Geschütz sowie dessen Bedienmannschaft taktisch und technisch selbstständig zu führen. Von der Kaiserlichen Marine über die hochselektive Reichsmarine bis zur Kriegsmarine bildete dieser Lehrgang das Rückgrat der artilleristischen Kampfkraft. Der Geschützführer war der direkte Verantwortliche für die Feuergeschwindigkeit, Treffgenauigkeit und technische Einsatzbereitschaft seiner Waffe unter Gefechtsbedingungen.
Inhalte und Schwerpunkte
Waffentechnik: Tiefgehende Kenntnisse über Aufbau, Mechanik und Wartung; Spektrum von der 2-cm-Flak bis hin zur schweren 15-cm-SK (Schnelladekanone).
Feuerleitung: Ausbildung im Schießen nach zentralen Zielwerten sowie im autarken direkten Richten bei Ausfall der schiffseigenen Feuerleitanlagen.
Mannschaftsführung: Drill der Geschützgruppe (Lade-, Richtschützen, Munitionskanoniere) zur Erreichung maximaler Schussfolgen unter psychischem und physischem Stress.
Munitionskunde: Fachwissen über Spreng-, Panzer- und Leuchtgranaten sowie die präzise Zündereinstellung (Tempierung) für unterschiedliche Zielprofile.
Standorte: Durchführung an den Marineartillerieschulen (M.A.S.) in Kiel-Wik, Saßnitz oder der Küstenartillerieschule in Swinemünde (Fort an der Rega).
Historische Entwicklung & U-Boot-Spezifik
Kaiserliche Marine: Fokus auf schweren Turmgeschützen und der Einführung erster Flugabwehr-Lehrgänge für Marine-Artilleristen ab 1914.
Reichsmarine: Phase extremer personeller Auslese; jeder Geschützführer musste als "Lehrer" fungieren können, um den Kaderwert der 15.000-Mann-Marine zu sichern.
U-Boot-Waffe: Besondere Schulung zur Wartung der Deckskanonen unter Extrembedingungen (Salzwasserkorrosion/Druckfestigkeit); Sicherstellung der "Klarheit" nach dem Auftauchen.
Spätphase (ab 1943): Speziallehrgänge für neue 3,7-cm-Flak-Systeme (M42) und 2-cm-Vierlinge zur Abwehr der alliierten Luftüberlegenheit über der Biskaya.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch PERS 6 Personalakten: Belegt die erfolgreiche Teilnahme am Lehrgang, oft spezifiziert nach Kalibergruppen (z. B. „f. 8,8 cm SK“ oder „f. schwere Flak“).
BArch RM 20 Schulen der Marine: Enthält detaillierte Lehrgangspläne, Munitionsverbrauchstabellen und Prüfungslisten der Marineartillerieschulen.
BArch RM 11 Inspektion der Marineartillerie: Dokumentiert die technischen Anforderungen, Schießvorschriften und die Auswertung von Gefechtsberichten.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939-1945" (Band 2, Abschnitt Marine-Artillerie: Ausbildung und Gliederung der Batterien).
Rössler, Eberhard "Die deutschen U-Boote und ihre Hilfsschiffe" (Technische Details zur Druckfestigkeit und Bedienung der Geschützstationen).
M.Dv. 170 "Artillerie-Vorschrift für die Kriegsmarine" (Zentrale Dienstvorschrift für die Ausbildung der Geschützführer und Mannschaften).
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