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Ortungslehrgang

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Datenblatt Ortungslehrgang
Der Ortungslehrgang war eine hochspezialisierte technische Ausbildung, die während des Krieges massiv an Bedeutung gewann, um dem alliierten Vorsprung bei Radar und Sonar zu begegnen.
Historischer Kontext & Organisation
Anfang: Die systematische Ausbildung begann mit der Einführung der ersten Radarwarngeräte (z. B. Metox) und Funkmessgeräte (Radar). Hauptausbildungsstätten waren die Marinenachrichtenschulen sowie spezielle Erprobungskommandos in der Ostsee.
Zielgruppe und Spezialisierung:
Die Lehrgänge waren nicht für die gesamte Besatzung, sondern primär für das Spezialpersonal (Funkmaate und Funkgefreite) sowie für Wachoffiziere (W.O.) konzipiert. Man unterschied meist zwei Zweige:
Schallortung (Passiv): Horchausbildung am Gruppenhorchgerät (GHG) und Kristallhorchgerät (KDB). Hier ging es um das "Hören" und Identifizieren von Schraubengeräuschen.
Funkmessortung (Aktiv/Passiv): Ausbildung an Geräten wie "Hohentwiel" (aktiv Radar) sowie Radarwarnern wie "Metox" oder "Naxos" (passiv).
Ausbildungsorte:
Die Ausbildung fand oft fernab der Front in spezialisierten Schulen statt, bevor die Männer zur Baubelehrung in die KLAs kamen:
Marinenachrichtenschule Mürwik: Das Zentrum für die theoretische und praktische Funkausbildung (Lexikon der Wehrmacht - Marinenachrichtenschulen).
Nachrichtenmittelversuchskommando (NVK): In Pelzerhaken (Ostsee) wurden modernste Geräte getestet und das Personal direkt daran geschult.
Unterrichtsgruppen der ULDs: In den Unterseeboots-Lehr-Divisionen gab es spezielle "Ortungs-Lehrer", die das Wissen auf dem neuesten Stand hielten.
Der "Horchpass":
Absolventen der Horchlehrgänge erhielten oft einen "Horchpass". Darin wurde die individuelle Hörfähigkeit (Frequenzbereich, Erkennungsrate von Zieltypen) dokumentiert. Da die akustische Ortung damals noch "Handarbeit" war, hing das Überleben des Bootes buchstäblich vom Gehör des Horchers ab.
Zusätzliche Aspekte der Ortungsausbildung:
Die akustische Täuschung (Bold)
In den Lehrgängen für das Horchpersonal wurde nicht nur das Aufspüren gelernt, sondern auch der Einsatz von Täuschkörpern.
Ausbildungsinhalt: Die Funkmaaten lernten den taktischen Abwurf von Bold-Sonden (Gasentwickler zur Erzeugung von Schein-Echos), um die gegnerische aktive Ortung (ASDIC) zu verwirren.
Bezug zu den Booten: Dies war besonders relevant für den Typ VII C und den Typ XXI, da die Wirksamkeit der Täuschung stark von der aktuellen Schichtung des Meerwassers (Thermokline) abhing.
Das S-Gerät (Sondergerät):
Dieses aktive Schallortungsgerät war eine Besonderheit, die eine spezielle Schulung erforderte.
Funktion: Im Gegensatz zum passiven Horchen sendete das Boot hierbei selbst Schallimpulse aus.
Risiko-Schulung: Den Soldaten wurde eingeschärft, dass die Nutzung des S-Geräts die eigene Position sofort verriet. Es wurde primär zur Minensuche oder im direkten Angriffsfinale eingesetzt.
Die personelle Struktur in Hamburg:
Bei der 2. Kriegsschiffbaulehrabteilung in Hamburg (Stand: 30.01.2024) gab es eine personelle Besonderheit für die Ortung:
Abnahmekommandos: Bevor die Boote vom Typ XXI bei Blohm & Voss abgeliefert wurden, prüfte ein technisches Abnahmekommando der Marine gemeinsam mit den Absolventen der Ortungslehrgänge die Kalibrierung der Horch-Anlage (Balkongerät).
Wohnschiffe als Schulungsraum: Auf Schiffen wie der Robert Ley wurden provisorische Werkstätten eingerichtet, um die empfindlichen Quarz-Empfänger der Horchgeräte vor dem Einbau zu testen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Überlebensfaktor: Da die Entdeckung durch alliiertes Radar die Hauptverlustursache für U-Boote war, hing das Überleben des Bootes direkt von der Qualität des Personals ab, das diesen Lehrgang absolviert hatte.
Aufgabe des II. W.O. / F.T.O.: In der Regel waren der II. Wachoffizier oder der spezialisierte 3. Funktechnische Offizier für die Leitung des Ortungsdienstes verantwortlich.
Personalhistorische Einordnung: In den Stammrollen markiert dieser Lehrgang eine Spezialisierung auf die elektronische Kriegführung, die oft unmittelbar vor der Versetzung auf modernisierte Frontboote (VII C/41 oder IX) erfolgte.
Literaturverweise
Marine-Dienstvorschrift Nummer 929/1 Handbuch für den Funkmessbeobachtungsdienst. Diese Vorschrift regelte die Ausbildung an Geräten wie dem Metox und dem Naxos.
Unterrichtshefte für die Kriegsmarine Speziell das Heft zur Unterwasser-Schallaufnahme (Horchkunde) diente als Lehrbuch in der Marinenachrichtenschule in Flensburg-Mürwik.
Bundesarchiv Abteilung Militärarchiv RM 91 (Dienststellen der U-Boot-Waffe). Dort sind die Kriegstagebücher der Lehr-Divisionen hinterlegt, die den genauen Ablauf der Ausbildungsgruppen dokumentieren.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 20 / 1215 Akten der Inspektion des Unterseebootwesens (U.I.) zur Einführung und Intensivierung der Ortungsausbildung ab 1943.
BArch RM 121 / 142 Lehrpläne der Marinenachrichtenschulen über Fachlehrgänge für Funkmess- und Horchdienst.
BArch RM 3 / 1024 Erfahrungsberichte über die Wirksamkeit neuer Ortungs- und Radarwarngeräte nach Abschluss der Schulungen.
Literaturverweise
Giessler, Helmuth Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst. (Standardwerk zur technischen Entwicklung und Ausbildung an den Ortungsgeräten).
Trenkle, Fritz Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945. (Bietet Kontext zur Komplexität der Radar-Schulung für das Bordpersonal).
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H.: Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945. (Band III, zur Organisation der Fachlaufbahnen im Ortungswesen).
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