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Unterrichtung in Fernschreibwesen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

Ausbildung Unterricht im Fernschreibwesen
Die Unterrichtung im Fernschreibwesen war eine spezialisierte technische Fachschulung für das Nachrichtenpersonal der Kriegsmarine. Ziel war die Beherrschung der Fernschreibtechnik (z. B. Siemens-Hellschreiber oder T37), die für den schnellen und sicheren Schriftverkehr über Standleitungen zwischen den hohen Kommandobehörden und den Küstenstützpunkten essentiell war. Die Ausbildung umfasste das Blindschreiben auf der Tastatur, die Wartung der Geräte sowie die Handhabung von Lochstreifensendern zur Beschleunigung der Übermittlung. Da Fernschreiben oft direkt verschlüsselt wurden (z. B. durch Zusatzgeräte oder Enigma-Verfahren), war die Ausbildung eng mit der Kryptographie verzahnt. In den Personalakten dokumentiert dieser Unterricht eine Qualifikation für den Dienst in den zentralen Nachrichtenstellen der Marinestationen und Flottillenstäbe.
Ausbildungsinhalte & Schwerpunkte
Gerätetechnik: Mechanischer Aufbau und elektrische Funktionsweise der Fernschreibmaschinen; Behebung von Papierstaus und Farbbandwechsel unter Zeitdruck.
Betriebsdienst: Erlernen der offiziellen Fernmelde-Vorschriften, korrekte Adressierung von Fernschreiben und Handhabung der Vermittlungseinrichtungen.
Lochstreifen-Verfahren: Vorbereitung von Nachrichten auf Lochstreifen (Perforator), um die maximale Übertragungsgeschwindigkeit der Leitungen ohne menschliche Tippfehler auszunutzen.
Geheimhaltung: Einweisung in die strengen Sicherheitsbestimmungen beim Umgang mit geheimen Kommandosachen (gKdos), die über das Fernschreibnetz versendet wurden.
Spezifische Details & Ergänzungen
Hellschreiber: Sonderunterweisung am Feldfernschreiber (System Hell), der aufgrund seiner Robustheit und Funk-Kompatibilität oft in mobilen Stäben eingesetzt wurde.
Schlüssel-Zusatz: Ausbildung an Fernschreib-Schlüsselgeräten (z. B. T52 "Geheimschreiber"), die eine automatische Verschlüsselung während des Tippvorgangs ermöglichten.
Leitungsüberwachung: Grundkenntnisse in der Identifizierung von Leitungsstörungen oder feindlichen Anzapfversuchen im festen Marine-Fernschreibnetz.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Flottillen-Anbindung: Die Fernschreib-Spezialisten sicherten den konstanten Informationsfluss zwischen dem B.d.U. in Kernfalle/Koralle und den Stützpunkten in Lorient, Brest oder Bergen.
Befehlsübermittlung: Schnelle Weiterleitung von U-Boot-Sichtungsmeldungen und operativen Befehlen vom Hauptquartier an die auslaufbereiten Boote in den Bunkern.
Biografischer Marker: In den Stammrollen markiert dieser Unterricht eine Verwendung im "Innendienst der Nachrichtenzentrale", oft als Vorstufe für den Dienst als Funkmeister.
Quellenverweise - Bundesarchiv-Militärarchiv (BArch-MA) | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 142 Marinenachrichtenschulen: Lehrpläne für die Ausbildung im Fernschreibdienst und technische Prüfungsordnungen für Funker und Schreiber.
BArch RM 20 / 885 B.d.U. / Nachrichtenwesen: Akten zur Organisation des Fernmeldeverkehrs zwischen den U-Boot-Flottillen und der zentralen Führung.
BArch PERS 6 Personalakten: Individuelle Nachweise über erfolgreich absolvierte Fernschreib-Lehrgänge und Bord- oder Stabsbeurteilungen.
Literaturverweise
Lohmann, W. / Hildebrand, H. H. Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945 (Band III, Kapitel zur Nachrichtenausbildung und den Fachschulen der Marine).
Giessler, Helmuth Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst (Detaillierte Darstellung der Fernschreibnetze und technischen Standards).
Pröse, Jörg Siemens & Halske: Die Entwicklung der Fernschreibtechnik (Kontext zur technischen Ausstattung der Kriegsmarine).
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