Aktionen

Fernaufklärer-Gruppe 123: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
+
{| style="background-color:#FFFFE0; border:3px double black; width:100%; table-layout:fixed; border-collapse:separate; padding:10px; font-weight:normal;"
 +
 
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |
+
|
 +
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed; background-color:#FFFFE0; font-weight:normal;"
  
{| class="wikitable"
 
 
|-
 
|-
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt
+
! Verband
! '''Fernaufklärer-Gruppe 123'''
+
! '''Fernaufklärer-Gruppe 123 (FAGr 123)'''
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Fernaufklärer-Gruppe 123 (offiziell: Aufklärungsgruppe 123) war ein fliegender Verband der Luftwaffe, der aufgrund seiner weitreichenden Einsätze über See eine zentrale Rolle für die strategische Lagebeurteilung der Marine und der U-Boote spielte. Die Gruppe war darauf spezialisiert, Aufklärungsergebnisse über enorme Distanzen zu liefern. Sie war das Fernauge für die Seekriegsleitung und den Befehlshaber der Unterseeboote.
+
 
 +
| colspan="3" | Die Fernaufklärer-Gruppe 123 war ein spezialisierter Aufklärungsverband der Luftwaffe, der eine zentrale Rolle bei der taktischen und strategischen Luftaufklärung über See spielte. Die Gruppe operierte in enger Abstimmung mit den Seestreitkräften und lieferte unverzichtbare Daten über Schiffsbewegungen, Hafenanlagen und Wetterbedingungen im Atlantik sowie im Ärmelkanal.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Aufstellung und maritime Verbindung
+
! colspan="3" | Historischer Kontext & Organisation
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Gruppe wurde bereits vor dem Krieg formiert und verfügte über Personal, das oft eine Beobachterausbildung an Schulen wie der Fliegerschule (See) Parow absolviert hatte. Die Offiziere beherrschten die maritime Navigation und den Signaldienst so sicher, dass sie Schiffsverbände auch bei schlechter Sicht präzise identifizieren konnten. Dies war das Erbe der methodischen Ausbildung, wie sie bereits in der Reichsmarine und der Kaiserlichen Marine für das Zusammenwirken von Luft und See gepflegt wurde.
+
 
 +
| Aufstellung: || colspan="3" | Formiert 1939 aus bestehenden Aufklärungseinheiten; Staffeln verteilt über Stützpunkte wie Brest, Lannion und Buc (Frankreich) sowie Sizilien.
 +
|-
 +
 
 +
| Unterstellung: || colspan="3" | Truppendienstlich verschiedenen Fliegerkorps zugeordnet, operativ häufig dem Fliegerführer Atlantik unterstellt.
 +
|-
 +
 
 +
| Ausrüstung: || colspan="3" | Einsatz zweimotoriger Maschinen wie Dornier Do 17, Junkers Ju 88 und später Messerschmitt Me 410 für Hochgeschwindigkeits-Aufklärung.
 
|-
 
|-
 +
 +
| Kriegsende: || colspan="3" | Rückzug nach Deutschland nach der Invasion 1944. Faktische Auflösung im Mai 1945; die wertvollen Bildarchive wurden teilweise vor der Kapitulation vernichtet.
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Einsatz am Atlantik und Ärmelkanal
+
! colspan="3" | Spezifische Merkmale & Taktik
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Nach dem Westfeldzug operierten Teile der Gruppe (insbesondere die 1. Staffel) von Stützpunkten in Frankreich aus, wie beispielsweise Brest oder Lannion.
+
 
 +
| Bildaufklärung: || colspan="3" | Durchführung hochriskanter Bildflüge über den Invasionshäfen in Südengland zur Dokumentation von Schiffsraumkonzentrationen und Verteidigungsanlagen.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Strategische Aufklärung: Mit Flugzeugen vom Typ Junkers Ju 88 oder Dornier Do 17 überwachten sie die Ein- und Auslaufwege der alliierten Geleitzüge im Nordatlantik und dem Ärmelkanal.
+
 
 +
| Wettererkundung: || colspan="3" | Systematische Erfassung meteorologischer Daten über dem Ostatlantik, die als Grundlage für die Einsatzplanung von Marine und Luftwaffe dienten.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Zieldaten für Wolfsrudel: Die Fernaufklärer lieferten die entscheidenden Erst-Sichtungen. Über die 1. Marine-Nachrichtenabteilung wurden diese Daten an die Frontflottillen weitergegeben. Ein U-Boot-Kommandant war auf diese Aufklärung angewiesen, um sein Boot in eine günstige Angriffsposition zu manövrieren.
+
 
|-
+
| Höhenaufklärung: || colspan="3" | Einsatz spezialisierter Varianten (z. B. Ju 88 D) für Aufklärungsflüge in großen Höhen, um der alliierten Jägerabwehr und Flak zu entgehen.
| colspan="3" | Wegesicherung: Die Gruppe meldete feindliche Flottenbewegungen an den Führer der Vorpostenboote West, um die Sicherungsverbände rechtzeitig vor alliierten Zerstörern zu warnen.
 
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Technischer Vorsprung und Ortung
+
! colspan="3" | Relevanz für die U-Boot-Waffe
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Beobachter der Gruppe 123 waren oft Pioniere bei der Nutzung früher Radargeräte und elektronischer Aufklärung (Schnittstelle zum Ortungslehrgang). Sie lernten, die Funkdisziplin zu wahren und dennoch zeitkritische Meldungen an die Marine abzusetzen. Bei Sichtkontakt mit eigenen U-Booten wurden die Meldeformeln bei Flugzeugsichtung angewandt, um Missverständnisse und Eigenbeschuss zu vermeiden.
+
 
 +
| Rudel-Einweisung: || colspan="3" | Maßgebliche Beteiligung am Aufspüren feindlicher Geleitzüge. Sichtmeldungen wurden über den Fliegerführer Atlantik direkt an den B.d.U. zur Koordination der Wolfsrudel weitergegeben.
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| Routenplanung: || colspan="3" | Überwachung britischer Flottenbewegungen im Ärmelkanal zur Planung sicherer Überführungsrouten für Boote vom Typ [[VII C]] oder Typ [[IX C]] zu den Biskaya-Stützpunkten.
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Das Ende 1944/1945
+
 
 +
| Meteorologische Daten: || colspan="3" | Bereitstellung kritischer Wetterprognosen für die U-Boot-Führung zur Einschätzung der Angriffsbedingungen und der Seeausdauer der Boote in stürmischen Perioden.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Mit der Räumung Frankreichs wurde die Gruppe nach Deutschland zurückgezogen. In der Endphase des Krieges wurde der Verband aufgelöst oder zur Aufstellung neuer Einheiten herangezogen. Das fliegende Personal wurde teilweise in die Personalreserve der Marine überführt oder im infanteristischen Erdkampf eingesetzt.
+
! colspan="3" | Quellenverweise - [https://invenio.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| ||  
+
 
 +
| BArch RL 10 || colspan="3" | Akten der Verbände der Luftwaffe (Kriegstagebücher und personelle Struktur der FAGr 123).
 +
|-
 +
 
 +
| BArch RM 7 / 2333 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung zum Westraum (Operative Zusammenarbeit zwischen Luftaufklärung und U-Boot-Führung).
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Quellenangabe
+
 
 +
| BArch RL 2-III || colspan="3" | Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Materielle Ausstattung und Verluste der Gruppe).
 
|-
 
|-
| ||  
+
 
 +
| ||
 
|-
 
|-
| Bundesarchiv, Signatur RL 10 || colspan="3" | Verbände und Ausbildungseinheiten der Luftwaffe. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Direktrecherche Invenio]. Enthält Kriegstagebücher und Flugbucheinträge der Aufklärungsgruppe 123.
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" |
+
 
 +
| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Luftwaffenunterstützung im Seekrieg).
 +
|-
 +
 
 +
| Dierich, Wolfgang || colspan="3" | "Die Verbände der Luftwaffe 1935–1945" (Systematische Übersicht der Einsatzgeschichte der Aufklärungsgruppen).
 +
|-
 +
 
 +
| Tessin, Georg || colspan="3" | "Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht" (Band 6, Luftwaffeneinheiten im Westen).
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
 
 +
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
 +
|-
 +
! colspan="3" |
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
+
 
|-
+
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
 
 
|-
 
|-
 +
 +
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 14:00 Uhr

Verband Fernaufklärer-Gruppe 123 (FAGr 123)
Die Fernaufklärer-Gruppe 123 war ein spezialisierter Aufklärungsverband der Luftwaffe, der eine zentrale Rolle bei der taktischen und strategischen Luftaufklärung über See spielte. Die Gruppe operierte in enger Abstimmung mit den Seestreitkräften und lieferte unverzichtbare Daten über Schiffsbewegungen, Hafenanlagen und Wetterbedingungen im Atlantik sowie im Ärmelkanal.
Historischer Kontext & Organisation
Aufstellung: Formiert 1939 aus bestehenden Aufklärungseinheiten; Staffeln verteilt über Stützpunkte wie Brest, Lannion und Buc (Frankreich) sowie Sizilien.
Unterstellung: Truppendienstlich verschiedenen Fliegerkorps zugeordnet, operativ häufig dem Fliegerführer Atlantik unterstellt.
Ausrüstung: Einsatz zweimotoriger Maschinen wie Dornier Do 17, Junkers Ju 88 und später Messerschmitt Me 410 für Hochgeschwindigkeits-Aufklärung.
Kriegsende: Rückzug nach Deutschland nach der Invasion 1944. Faktische Auflösung im Mai 1945; die wertvollen Bildarchive wurden teilweise vor der Kapitulation vernichtet.
Spezifische Merkmale & Taktik
Bildaufklärung: Durchführung hochriskanter Bildflüge über den Invasionshäfen in Südengland zur Dokumentation von Schiffsraumkonzentrationen und Verteidigungsanlagen.
Wettererkundung: Systematische Erfassung meteorologischer Daten über dem Ostatlantik, die als Grundlage für die Einsatzplanung von Marine und Luftwaffe dienten.
Höhenaufklärung: Einsatz spezialisierter Varianten (z. B. Ju 88 D) für Aufklärungsflüge in großen Höhen, um der alliierten Jägerabwehr und Flak zu entgehen.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Rudel-Einweisung: Maßgebliche Beteiligung am Aufspüren feindlicher Geleitzüge. Sichtmeldungen wurden über den Fliegerführer Atlantik direkt an den B.d.U. zur Koordination der Wolfsrudel weitergegeben.
Routenplanung: Überwachung britischer Flottenbewegungen im Ärmelkanal zur Planung sicherer Überführungsrouten für Boote vom Typ VII C oder Typ IX C zu den Biskaya-Stützpunkten.
Meteorologische Daten: Bereitstellung kritischer Wetterprognosen für die U-Boot-Führung zur Einschätzung der Angriffsbedingungen und der Seeausdauer der Boote in stürmischen Perioden.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RL 10 Akten der Verbände der Luftwaffe (Kriegstagebücher und personelle Struktur der FAGr 123).
BArch RM 7 / 2333 Unterlagen der Seekriegsleitung zum Westraum (Operative Zusammenarbeit zwischen Luftaufklärung und U-Boot-Führung).
BArch RL 2-III Unterlagen des Generalquartiermeisters der Luftwaffe (Materielle Ausstattung und Verluste der Gruppe).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Luftwaffenunterstützung im Seekrieg).
Dierich, Wolfgang "Die Verbände der Luftwaffe 1935–1945" (Systematische Übersicht der Einsatzgeschichte der Aufklärungsgruppen).
Tessin, Georg "Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht" (Band 6, Luftwaffeneinheiten im Westen).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132