Aktionen

Gasschutzlehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
Zeile 1: Zeile 1:
{| style="background-color:#FFFFE0;border-color:black;border-width:3px;border-style:double;width:100%;align:center"
+
{| style="background-color:#FFFFE0; border:3px double black; width:100%; table-layout:fixed; border-collapse:separate; padding:10px; font-weight:normal;"
 +
 
 
|-
 
|-
| || colspan="3" |
+
|
 +
{| class="wikitable" style="width:100%; table-layout:fixed; background-color:#FFFFE0; font-weight:normal;"
  
{| class="wikitable"
 
 
|-
 
|-
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:25%" |
 
| style="width:75%" |
 
| style="width:75%" |
 
|-
 
|-
! Datenblatt
+
! Ausbildung
 
! '''Gasschutzlehrgang'''
 
! '''Gasschutzlehrgang'''
 +
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der Gasschutzlehrgang war eine obligatorische Ausbildung für alle Dienstgradgruppen, um die Besatzungen auf den Einsatz von chemischen Kampfstoffen sowie auf technische Gasunfälle an Bord vorzubereiten.
+
 
 +
| colspan="3" | Der Gasschutzlehrgang war eine obligatorische Ausbildung für alle Dienstgradgruppen der Marine. Er diente der Vorbereitung der Besatzungen auf den Einsatz chemischer Kampfstoffe sowie auf technische Gasunfälle an Bord. In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine bildete dieser Lehrgang eine lebenswichtige Voraussetzung für den Dienst in abgeschlossenen Räumen, insbesondere auf U-Booten.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Entstehung in der Kaiserlichen Marine
+
! colspan="3" | Historische Entwicklung & Ausbildungsinhalte
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | In der Kaiserlichen Marine entwickelte sich der Gasschutz erst als Reaktion auf den Gaskrieg an der Westfront ab 1915. Die Ausbildung konzentrierte sich rein auf den Schutz vor chemischen Kampfstoffen.
+
 
 +
| Ursprung: || colspan="3" | Entwicklung ab 1915 als Reaktion auf den Gaskrieg; Fokus auf Schutz vor Lungen- und Hautgiften sowie Handhabung der Gasschutzmaske 17.
 +
|-
 +
 
 +
| Reichsmarine: || colspan="3" | Methodische Perfektionierung und Obligatorium für alle Mannschaften. Training in Gaskammern mit Reizgas zur Stärkung des Vertrauens in die Schutzmaske unter Realbedingungen.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Schwerpunkt: Die Soldaten lernten den Umgang mit den ersten primitiven Atemschutzmasken (Gasschutzhauben) und später mit der Gasschutzmaske 17.
+
 
 +
| Borddienst-Spezifik: || colspan="3" | Ergänzung des Kompaniedienstes um Schiffs-Dekontaminationsübungen, insbesondere für Einheiten wie die 1. Torpedobootshalbflottille.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | U-Boot-Besonderheit: Auf den frühen U-Booten lag das Hauptaugenmerk auf dem Schutz vor Batteriegasen (Chlorgas), die bei Wassereinbruch in die Akkumulatoren entstanden.
+
 
 +
| Kriegsmarine: || colspan="3" | Übernahme der Standards als Voraussetzung für die Baubelehrung; Sicherstellung der Handlungsfähigkeit bei Bränden in Stützpunkten wie dem [[U-Stützpunkt Bergen]].
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Verfeinerung in der Reichsmarine
+
! colspan="3" | Spezifische Merkmale & U-Boot-Besonderheiten
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | In der Reichsmarine wurde der Gasschutz methodisch perfektioniert. Da man einen künftigen Krieg mit massivem Einsatz von Giftgas fürchtete, wurde der Lehrgang für alle Mannschaften (vom Rekruten bis zum Obermatrosen) obligatorisch.
+
 
 +
| Batteriegase: || colspan="3" | Schutz vor lebensgefährlichem Chlorgas, das bei Wassereinbruch in die Akkumulatoren entsteht. Drill zum „blinden“ Anlegen der Maske innerhalb weniger Sekunden.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Inhalte: Die Ausbildung umfasste das Erkennen von Kampfstoffgruppen (Lungen- und Hautgifte) und das Training in speziellen Gaskammern, um das Vertrauen in die Maske unter Realbedingungen (meist mit Reizgas) zu stärken.
+
 
 +
| Abgas-Gefahren: || colspan="3" | Vermittlung von Kenntnissen über Dieselabgase und Kohlenmonoxid bei Fehlfunktionen der Lüftungsanlage während langer Tauchfahrten.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Land- und Borddienst: Der Lehrgang war Teil des Kompaniedienstes in den Schiffsstammabteilungen, wurde aber für den Dienst auf See (beispielsweise in der 1. Torpedobootshalbflottille) um spezifische Schiffs-Dekontaminationsübungen ergänzt.
+
 
 +
| Tauchretter-Synergie: || colspan="3" | Engste Verknüpfung mit dem Tauchretter-Training, da das Gerät im Notfall auch als Atemschutz gegen Brandgase in der Bilge oder Zentrale genutzt wurde.
 
|-
 
|-
 +
 +
| Gasdisziplin: || colspan="3" | Verantwortung der Kommandanten und Wachoffiziere für die ständige Einsatzbereitschaft der Schutzgeräte in Frontstützpunkten wie dem [[U-Stützpunkt Bergen]].
 +
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Standard in der Kriegsmarine
+
! colspan="3" | Stellung in der Laufbahn & Qualifikation
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Die Kriegsmarine übernahm diese Grundlagen fast unverändert. Jedes Besatzungsmitglied eines U-Bootes musste den Lehrgang absolvieren, bevor es zur Baubelehrung kommandiert wurde. Das Wissen war essenziell, um bei Bränden oder technischen Defekten in den engen Stützpunkten (wie dem U-Stützpunkt Bergen) handlungsfähig zu bleiben.
+
 
 +
| Dokumentation: || colspan="3" | Der erfolgreiche Abschluss war zwingende Voraussetzung für die Versetzung zu einer Frontflottille und wurde in der Personalakte (BArch PERS 6) vermerkt.
 +
|-
 +
 
 +
| Auffrischung: || colspan="3" | Regelmäßige Wiederholungskurse im Rahmen des Landdienstes zur Aufrechterhaltung der Schutzfertigkeiten des gesamten Personals vom Rekruten bis zum Obermatrosen.
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Bedeutung für die U-Boot-Waffe
+
! colspan="3" | Quellenverweise - [https://invenio.bundesarchiv.de | Invenio Online-Recherche]
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Auf U-Booten war der Gasschutz von existenzieller Bedeutung, da die Besatzung in einem hermetisch abgeschlossenen Raum operierte.
+
 
 +
| BArch RM 121 / 162 || colspan="3" | Dienstvorschriften über den Gasschutzdienst in der Kriegsmarine (Ausbildung und Gerätekunde).
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Batteriegase: Das wichtigste Szenario war der Schutz vor Chlorgas, das entsteht, wenn Seewasser in die Batterien eindringt. Jeder Obermatrose und Unteroffizier musste die Maske blind anlegen können, um das Boot auch bei Gasaustritt manövrierfähig zu halten.
+
 
 +
| BArch RM 123 || colspan="3" | Akten der Marineschulen: Lehrgangspläne für Gasschutz-Sonderlehrgänge an den Schiffsstammabteilungen.
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Abgase und Kohlenmonoxid: Der Lehrgang vermittelte das Wissen über die Gefahren von Dieselabgasen bei Fehlfunktionen der Lüftungsanlage, was besonders bei langen Tauchfahrten kritisch war.
+
 
|-
+
| BArch PERS 6 || colspan="3" | Personalakten: Nachweise über die Gasschutz-Qualifikation als Teil der Verwendungsfähigkeit.
| colspan="3" | Tauchretter-Synergie: Die Ausbildung war eng mit dem Tauchretter-Training verknüpft, da der Tauchretter im Notfall auch als Atemschutzgerät gegen Brandgase genutzt wurde. Kommandanten und Wachoffiziere trugen die Verantwortung dafür, dass die Gasdisziplin an Bord der U-Boote (beispielsweise in den Stützpunkten wie dem U-Stützpunkt Bergen) jederzeit gewahrt blieb.
 
 
|-
 
|-
 +
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Stellung in der Laufbahn
+
! colspan="3" | Literaturverweise
 +
 
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Der erfolgreiche Abschluss wurde in der Personalakte (Bestand Pers 6) dokumentiert. Er war Voraussetzung für die Versetzung zu einer Frontflottille und wurde im Rahmen des Kompaniedienstes regelmäßig durch Wiederholungskurse aufgefrischt.
+
 
 +
| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel Erziehungs- und Bildungswesen).
 
|-
 
|-
| ||
+
 
 +
| Rössler, Eberhard || colspan="3" | "Geschichte des deutschen U-Bootbaus" (Technische Sicherheitsaspekte und Batteriegasschutz).
 
|-
 
|-
| ||  
+
 
 +
| Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
 
|-
 
|-
! colspan="3" | Quellenangabe
+
 
 +
| ||
 
|-
 
|-
| ||
+
 
|-
+
| style="text-align:center" colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
| Bundesarchiv, Signatur RM 11 || colspan="3" | Schiffsstamm- und Ausbildungseinheiten. [https://www.bundesarchiv.de/im-archiv-recherchieren/archivgut-recherchieren/recherchesysteme/invenio/| Direktrecherche Invenio]. Enthält Lehrgangspläne zum Gasschutz.
 
|-
 
| Bundesarchiv, Signatur RM 91 || colspan="3" | Dienststellen der U-Boot-Waffe. Dokumentiert die spezifischen Gasschutz-Vorschriften für den Dienst unter Wasser.
 
|-
 
| Marine-Dienstvorschrift Nummer 432 || colspan="3" | Gasschutzvorschrift für die Kriegsmarine. Das verbindliche Regelwerk für beide Epochen.
 
|-
 
| ||
 
 
|-
 
|-
 
! colspan="3" |
 
! colspan="3" |
 +
 
|-
 
|-
 
| ||
 
| ||
 
|-
 
|-
| colspan="3" | Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
+
 
|-
+
| style="text-align:center" colspan="3" | [mailto:ubootarchivwiki@gmail.com ubootarchivwiki@gmail.com] - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132
| ||
 
|-
 
| colspan="3" | >>>>U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki - U-Boot-Archiv Wiki<<<<
 
|-
 
| || colspan="3" | '''<small>ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132</small>'''
 
 
|-
 
|-
 +
 +
|}
 
|}
 
|}

Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 15:57 Uhr

Ausbildung Gasschutzlehrgang
Der Gasschutzlehrgang war eine obligatorische Ausbildung für alle Dienstgradgruppen der Marine. Er diente der Vorbereitung der Besatzungen auf den Einsatz chemischer Kampfstoffe sowie auf technische Gasunfälle an Bord. In der Kaiserlichen Marine, der Reichsmarine und der Kriegsmarine bildete dieser Lehrgang eine lebenswichtige Voraussetzung für den Dienst in abgeschlossenen Räumen, insbesondere auf U-Booten.
Historische Entwicklung & Ausbildungsinhalte
Ursprung: Entwicklung ab 1915 als Reaktion auf den Gaskrieg; Fokus auf Schutz vor Lungen- und Hautgiften sowie Handhabung der Gasschutzmaske 17.
Reichsmarine: Methodische Perfektionierung und Obligatorium für alle Mannschaften. Training in Gaskammern mit Reizgas zur Stärkung des Vertrauens in die Schutzmaske unter Realbedingungen.
Borddienst-Spezifik: Ergänzung des Kompaniedienstes um Schiffs-Dekontaminationsübungen, insbesondere für Einheiten wie die 1. Torpedobootshalbflottille.
Kriegsmarine: Übernahme der Standards als Voraussetzung für die Baubelehrung; Sicherstellung der Handlungsfähigkeit bei Bränden in Stützpunkten wie dem U-Stützpunkt Bergen.
Spezifische Merkmale & U-Boot-Besonderheiten
Batteriegase: Schutz vor lebensgefährlichem Chlorgas, das bei Wassereinbruch in die Akkumulatoren entsteht. Drill zum „blinden“ Anlegen der Maske innerhalb weniger Sekunden.
Abgas-Gefahren: Vermittlung von Kenntnissen über Dieselabgase und Kohlenmonoxid bei Fehlfunktionen der Lüftungsanlage während langer Tauchfahrten.
Tauchretter-Synergie: Engste Verknüpfung mit dem Tauchretter-Training, da das Gerät im Notfall auch als Atemschutz gegen Brandgase in der Bilge oder Zentrale genutzt wurde.
Gasdisziplin: Verantwortung der Kommandanten und Wachoffiziere für die ständige Einsatzbereitschaft der Schutzgeräte in Frontstützpunkten wie dem U-Stützpunkt Bergen.
Stellung in der Laufbahn & Qualifikation
Dokumentation: Der erfolgreiche Abschluss war zwingende Voraussetzung für die Versetzung zu einer Frontflottille und wurde in der Personalakte (BArch PERS 6) vermerkt.
Auffrischung: Regelmäßige Wiederholungskurse im Rahmen des Landdienstes zur Aufrechterhaltung der Schutzfertigkeiten des gesamten Personals vom Rekruten bis zum Obermatrosen.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 121 / 162 Dienstvorschriften über den Gasschutzdienst in der Kriegsmarine (Ausbildung und Gerätekunde).
BArch RM 123 Akten der Marineschulen: Lehrgangspläne für Gasschutz-Sonderlehrgänge an den Schiffsstammabteilungen.
BArch PERS 6 Personalakten: Nachweise über die Gasschutz-Qualifikation als Teil der Verwendungsfähigkeit.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel Erziehungs- und Bildungswesen).
Rössler, Eberhard "Geschichte des deutschen U-Bootbaus" (Technische Sicherheitsaspekte und Batteriegasschutz).
Hildebrand, Hans H. "Die organisatorische Entwicklung der Marine nebst Stellenbesetzung 1848 bis 1945".
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132