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Funktechnischer-Offizierslehrgang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus U-Boot-Archiv Wiki

 
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| colspan="3" | Der Funktechnische Offizierslehrgang diente der Qualifizierung von Offizieren für den Dienst an den technisch anspruchsvollen Funkmessgeräten (Fu.M.G.) und Funkmessbeobachtungsgeräten (Fu.M.B.). Mit der rasanten Entwicklung der Radar- und Abwehrtechnologie während des Krieges wurde dieser Lehrgang zu einer der wichtigsten technischen Schulungen, um die Überlebensfähigkeit der Einheiten gegen feindliche Ortung sicherzustellen und die eigene Angriffsfähigkeit bei Nacht und schlechter Sicht zu verbessern.
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| colspan="3" | Der Funktechnische Offizierslehrgang diente der Qualifizierung von Offizieren für den Dienst an technisch anspruchsvollen Funkmessgeräten (Fu.M.G.) und Funkmessbeobachtungsgeräten (Fu.M.B.). Angesichts der rasanten Entwicklung der Radartechnologie wurde dieser Lehrgang zu einer der wichtigsten technischen Schulungen, um die Überlebensfähigkeit gegen feindliche Ortung zu sichern.
 
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| colspan="3" | Ausbildungsinhalte und Spezialisierung: Die Lehrgangsteilnehmer wurden intensiv in der Hochfrequenztechnik, der Impulstechnik und der Funktionsweise von Dezimeter- und Zentimeterwellengeräten unterrichtet. Ein wesentlicher Teil der Ausbildung war die praktische Handhabung der Ortungsgeräte (z. B. „Seetakt“-Anlagen) sowie die Interpretation der Schirmbilder zur Unterscheidung von Freund- und Feindkontakten. Der Lehrgang fand zumeist an den Marinenachrichtenschulen (z. B. in Aurich oder Mürwik) sowie an speziellen Versuchsstellen für Funkmesstechnik statt.
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| Ausbildungsinhalte: || colspan="3" | Intensive Schulung in Hochfrequenz- und Impulstechnik sowie Dezimeter- und Zentimeterwellen. Praktische Handhabung von Ortungsanlagen (z. B. „Seetakt“) und Interpretation von Schirmbildern.
 
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| colspan="3" | Taktische Anwendung: Neben der reinen Technik wurde die taktische Auswertung der gewonnenen Daten geschult. Die Offiziere lernten, wie Ortungsergebnisse zur Feuerleitung der Artillerie oder zur Navigation genutzt werden konnten. Zudem stand die Funkmess-Aufklärung (das Aufspüren feindlicher Radarstrahlen) im Fokus, um rechtzeitig Warnungen vor herannahenden Flugzeugen oder Überwassereinheiten geben zu können.
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| Standorte: || colspan="3" | Durchführung zumeist an den Marinenachrichtenschulen (z. B. Aurich oder Mürwik) sowie an speziellen Versuchsstellen für Funkmesstechnik.
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| Taktische Anwendung: || colspan="3" | Nutzung von Ortungsergebnissen zur Feuerleitung und Navigation. Fokus auf Funkmess-Aufklärung zum Aufspüren feindlicher Radarstrahlen herannahender Flugzeuge oder Schiffe.
 
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| colspan="3" | Das Schicksal bei Kriegsende: In der Endphase des Krieges am 08.05.1945 war das Personal mit dieser Spezialausbildung hochgradig begehrt, sowohl für die Verteidigung als auch später für die alliierte Auswertung der deutschen Radartechnik. Viele Funktechnische Offiziere hatten den Befehl, die hochgeheimen Geräte und Unterlagen vor der Kapitulation unbrauchbar zu machen. Nach dem Krieg wurden zahlreiche Absolventen von den Siegermächten im Rahmen von Forschungsprogrammen zur Radartechnik interniert und befragt.
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| Kriegsende: || colspan="3" | Spezialisten waren bei den Siegermächten hochbegehrt; viele Offiziere wurden im Rahmen von Forschungsprogrammen zur Radartechnik interniert und befragt.
 
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| colspan="3" | Abwehr von Radarortung: Für die U-Boot-Waffe war dieser Lehrgang ab 1943 überlebenswichtig. Die Funktechnischen Offiziere an Bord oder in den Flottillenstäben koordinierten den Einsatz von Warnempfängern (z. B. „Metox“ oder „Naxos“), um das Boot vor alliierten Flugzeugen zu warnen, die mit Zentimeterwellen-Radar operierten.
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| Schirmbilddeutung: || colspan="3" | Intensives Training zur Interpretation von „Flimmerbildern“ auf der Braun’schen Röhre. Offiziere lernten, echte Echos von atmosphärischen Störungen oder Täuschkörpern zu unterscheiden.
 
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| colspan="3" | Angriffsführung bei Nacht: Der Lehrgang befähigte die Offiziere, die bordeigenen Funkmessgeräte (z. B. Fu.M.G. 61 „Hohentwiel“) effektiv für Nachtangriffe über Wasser einzusetzen. Dies erlaubte eine präzise Entfernungsbestimmung zum Ziel, ohne den verräterischen Einsatz von Suchscheinwerfern oder Leuchtkugeln.
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| Radar-Tarnung: || colspan="3" | Einweisung in die Handhabung von radarabsorbierenden Materialien (z. B. „Alberich“-Beschichtung) zur Minimierung der Rückstrahlfläche des Bootes.
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| Der F.M.O.-Status: || colspan="3" | Ab 1944 wurde auf vielen Booten ein spezifischer Funkmess-Offizier (F.M.O.) etabliert. Dieser Lehrgang war die zwingende Voraussetzung für diese neue Schlüsselposition.
 
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| colspan="3" | Technische Instandhaltung: Da U-Boote oft monatelang ohne Werfthilfe operierten, mussten die Funktechnischen Offiziere in der Lage sein, komplexe Elektronikschäden unter schwierigsten Bedingungen (Feuchtigkeit, Erschütterung) selbstständig zu beheben, um die Funktionsfähigkeit der Ortungs- und Nachrichtenanlagen zu garantieren.
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| B.Arch. RM 123 / 15 || colspan="3" | Akten der Marinenachrichtenschulen (Enthält die Lehrgangspläne und Fachcurricula für Funkmesstechnik).
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| Radarabwehr: || colspan="3" | Ab 1943 überlebenswichtig für den Einsatz von Warnempfängern (z. B. „Metox“, „Naxos“) gegen alliiertes Zentimeterwellen-Radar zur Warnung vor Luftangriffen.
 
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| B.Arch. RM 7 / 2331 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung zum Nachrichten- und Ortungsdienst (Dokumentiert die Einführung neuer Geräte und die Ausbildungserfordernisse).
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| Nachtangriffe: || colspan="3" | Befähigung zum effektiven Einsatz bordeigener Funkmessgeräte (z. B. Fu.M.G. 61 „Hohentwiel“) zur präzisen Entfernungsbestimmung bei Nachtangriffen über Wasser.
 
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| B.Arch. RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des Befehlshabers der Unterseeboote (B.d.U.) zur technischen Ausrüstung (Belegt den Einsatz von Funktechnischen Offizieren auf U-Booten).
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| Instandhaltung: || colspan="3" | Befähigung zur eigenständigen Behebung komplexer Elektronikschäden unter schwierigsten Bedingungen während langer Feindfahrten.
 
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| Lohmann, Walter / Hildebrand, Hans H. || colspan="3" | Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945: Gliederung, Einsatz, Stellenbesetzung. (Band II, Kapitel über das Nachrichtenwesen und die technische Ausbildung).
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| BArch RM 123 / 15 || colspan="3" | Akten der Marinenachrichtenschulen (Lehrgangspläne und Fachcurricula für Funkmesstechnik).
 
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| Giessler, Helmuth || colspan="3" | Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst. (Detaillierte Darstellung der technischen Entwicklung und der Ausbildungsgänge für Radaroffiziere).
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| BArch RM 7 / 2331 || colspan="3" | Unterlagen der Seekriegsleitung zum Nachrichten- und Ortungsdienst (Einführung neuer Geräte).
 
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| Trenkle, Fritz || colspan="3" | Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945. (Standardwerk zur technischen Ausstattung und den dazugehörigen Bedienerschulungen).
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| BArch RM 20 / 893 || colspan="3" | Unterlagen des B.d.U. zur technischen Ausrüstung (Einsatz von Funktechnischen Offizieren auf [[U-Boote|U-Booten]]).
 
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| Lohmann / Hildebrand || colspan="3" | "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Nachrichtenwesen und technische Ausbildung).
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| Giessler, Helmuth || colspan="3" | "Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst" (Technische Entwicklung und Ausbildungsgänge).
 
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| Trenkle, Fritz || colspan="3" | "Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945" (Standardwerk zur technischen Ausstattung).
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Aktuelle Version vom 19. Februar 2026, 12:34 Uhr

Ausbildung Funktechnischer Offizierslehrgang
Der Funktechnische Offizierslehrgang diente der Qualifizierung von Offizieren für den Dienst an technisch anspruchsvollen Funkmessgeräten (Fu.M.G.) und Funkmessbeobachtungsgeräten (Fu.M.B.). Angesichts der rasanten Entwicklung der Radartechnologie wurde dieser Lehrgang zu einer der wichtigsten technischen Schulungen, um die Überlebensfähigkeit gegen feindliche Ortung zu sichern.
Historischer Kontext & Organisation
Ausbildungsinhalte: Intensive Schulung in Hochfrequenz- und Impulstechnik sowie Dezimeter- und Zentimeterwellen. Praktische Handhabung von Ortungsanlagen (z. B. „Seetakt“) und Interpretation von Schirmbildern.
Standorte: Durchführung zumeist an den Marinenachrichtenschulen (z. B. Aurich oder Mürwik) sowie an speziellen Versuchsstellen für Funkmesstechnik.
Taktische Anwendung: Nutzung von Ortungsergebnissen zur Feuerleitung und Navigation. Fokus auf Funkmess-Aufklärung zum Aufspüren feindlicher Radarstrahlen herannahender Flugzeuge oder Schiffe.
Kriegsende: Spezialisten waren bei den Siegermächten hochbegehrt; viele Offiziere wurden im Rahmen von Forschungsprogrammen zur Radartechnik interniert und befragt.
Spezifische Merkmale & Ausbildung
Schirmbilddeutung: Intensives Training zur Interpretation von „Flimmerbildern“ auf der Braun’schen Röhre. Offiziere lernten, echte Echos von atmosphärischen Störungen oder Täuschkörpern zu unterscheiden.
Radar-Tarnung: Einweisung in die Handhabung von radarabsorbierenden Materialien (z. B. „Alberich“-Beschichtung) zur Minimierung der Rückstrahlfläche des Bootes.
Der F.M.O.-Status: Ab 1944 wurde auf vielen Booten ein spezifischer Funkmess-Offizier (F.M.O.) etabliert. Dieser Lehrgang war die zwingende Voraussetzung für diese neue Schlüsselposition.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Radarabwehr: Ab 1943 überlebenswichtig für den Einsatz von Warnempfängern (z. B. „Metox“, „Naxos“) gegen alliiertes Zentimeterwellen-Radar zur Warnung vor Luftangriffen.
Nachtangriffe: Befähigung zum effektiven Einsatz bordeigener Funkmessgeräte (z. B. Fu.M.G. 61 „Hohentwiel“) zur präzisen Entfernungsbestimmung bei Nachtangriffen über Wasser.
Instandhaltung: Befähigung zur eigenständigen Behebung komplexer Elektronikschäden unter schwierigsten Bedingungen während langer Feindfahrten.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 123 / 15 Akten der Marinenachrichtenschulen (Lehrgangspläne und Fachcurricula für Funkmesstechnik).
BArch RM 7 / 2331 Unterlagen der Seekriegsleitung zum Nachrichten- und Ortungsdienst (Einführung neuer Geräte).
BArch RM 20 / 893 Unterlagen des B.d.U. zur technischen Ausrüstung (Einsatz von Funktechnischen Offizieren auf U-Booten).
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band II, Nachrichtenwesen und technische Ausbildung).
Giessler, Helmuth "Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst" (Technische Entwicklung und Ausbildungsgänge).
Trenkle, Fritz "Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945" (Standardwerk zur technischen Ausstattung).
Alle Angaben ohne Gewähr !!!!
ubootarchivwiki@gmail.com - Andreas Angerer 39028 Magdeburg Postfach 180132