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Navigationslehrgang

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Version vom 19. Februar 2026, 13:33 Uhr von Andreas (Diskussion | Beiträge)
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Ausbildung Navigationslehrgang
Der Navigationslehrgang war die fachliche Grundvoraussetzung für angehende Unteroffiziere und Offiziere, um die nautische Führung eines Schiffes oder Bootes sicherzustellen. Er vermittelte die methodischen Grundlagen zur Standortbestimmung, Kursberechnung und Handhabung nautischer Instrumente, was insbesondere für die weiträumigen Operationen der U-Boot-Waffe von existenzieller Bedeutung war.
Historischer Kontext & Ausbildungsinhalte
Reichsmarine: Intensive Selektion von Mannschaften mit navigatorischem Talent. Fokus auf handwerklicher Präzision beim Führen der Seekarte und Verständnis des Kreiselkompasses auf Einheiten wie der 1. Minensuchhalbflottille.
Kriegsmarine: Massiver Ausbau der Kapazitäten an den Navigationsschulen. Erweiterung der Inhalte um moderne Verfahren der Funknavigation und die Auswertung von Horchdaten zur Unterstützung der Koppelnavigation.
Instrumentenkunde: Schulung am Sextanten (Astronavigation), dem Echolot zur Tiefenbestimmung sowie die korrekte Justierung von Mutter- und Tochterkompassen unter Berücksichtigung der Deviation.
Signaldienst: Enge Verzahnung mit dem optischen Signaldienst (Winken/Morsen), um Befehle der Marine-Nachrichtenabteilungen unmittelbar in nautische Manöver umzusetzen.
Spezifische Merkmale & Spezialisierung
Koppelnavigation: Erlernung der Kunst, den Standort allein aus Kurs und Fahrtzeit zu errechnen – eine überlebenswichtige Fähigkeit nach tagelanger Unterwasserfahrt ohne Landsicht.
Astronomie: Beherrschung der Mittagsbreite und Sternpeilungen, um auf Fernunternehmungen der Boote vom Typ IX C oder Typ IX D die chronometrische Genauigkeit zu wahren.
Küstenvermessung: Identifikation von Landmarken und Leuchtfeuern bei Nacht zur sicheren Passage von Engstellen wie dem Skagerrak oder dem Ärmelkanal.
Relevanz für die U-Boot-Waffe
Präzisionsangriff: Eine exakte Standortbestimmung war die operative Voraussetzung, um Geleitzüge nach Funkmeldungen des B.d.U. (Befehlshaber der Unterseeboote) punktgenau ansteuern zu können.
Rückführung: Der I. Wachoffizier (als Navigator) sicherte durch sein nautisches Können die Rückkehr des Bootes in die oft weit entfernten Bunkerstützpunkte nach wochenlangen Atlantik-Patrouillen.
Personalhistorie: In den Stammrollen (BArch RM 121/642) markiert dieser Lehrgang eine nautische Kernkompetenz und war eine zwingende Station im Werdegang zum U-Boot-Kommandanten.
Quellenverweise - | Invenio Online-Recherche
BArch RM 3 / 1024 Dienstvorschriften über die Navigationsausbildung und die nautische Ausrüstung auf Kriegsschiffen.
BArch RM 121 / 162 Lehrgangspläne der Navigationsschulen und Prüfungsrichtlinien für Steuerleute und Offiziere.
BArch RM 20 / 1215 Akten der Inspektion des Unterseebootwesens zur spezifischen Navigationsschulung für U-Boot-Besatzungen.
Literaturverweise
Lohmann / Hildebrand "Die deutsche Kriegsmarine 1939–1945" (Band III, Kapitel zu den Fachschulen und nautischen Lehrgängen).
Giessler, Helmuth "Der Marine-Nachrichten- und Ortungsdienst" (Informationen zur technischen Entwicklung der Funknavigation).
Hessler, Günter "The U-Boat War in the Atlantic" (Analyse der Bedeutung nautischer Präzision für die Rudeltaktik).
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